> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 23. August 2016
 

Mit dem Tandem auf dem Jakobsweg

Pilger sind insgesamt 66 Tage unterwegs - 4500 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt - Paar aus Rengetsweiler erfüllt sich einen Traum

Pilgerpass und die Compostela, die Pilgerurkunde, bleiben Harald Bodirsky und Margot Shifferaw neben mit vielen Erlebnissen eine Erinnerung an den Jakobsweg auf ihrem Pilger-Tandem.
Bild: Sandra Häusler

Meßkirch-Rengetsweiler - Die Pilgerreise auf dem Tandem ist eine Leistung von Margot Shifferaw, 63 Jahre, und ihrem Lebenspartner Harald Bodirsky, 49 Jahre. Am 2. Mai startete das im Meßkircher Teilort Rengetsweiler lebende Paar auf seine Fahrt mit dem Tandem über den Jakobspilgerweg nach Santiago des Compostella. 66 Tage waren die Beiden mit dem Fahrrad unterwegs und legten dabei 4500 Kilometer und 50 000 Höhenmeter zurück. "Wir waren überall als 'Tandem-Pilger' eine Attraktion, haben großen Zuspruch und aufmunterndes Zuwinken erhalten", freuen sich Shifferaw und Bodirsky.

Das Tandem hatten die Profis vom Radladen Sattelfest in Sigmaringen individuell für die Körpergröße und die körperlichen Anforderungen der Tandem-Pilger umgebaut und mit einer belastbaren Rohloff-Nabenschaltung ausgestattet. Margot Shifferaw hat über vier Jahrzehnte als Buchhalterin in der Heimschule Kloster Wald gearbeitet, bis ein schwerer Skiunfall sie vorzeitig aus dem Berufsleben riss. Beim Sturz zog sie sich 2012 eine inkomplette Querschnittslähmung mit Tetraparese, einer Erschlaffung aller vier Gliedmaßen, zu. Nach einer langen Genesung und Rehabilitation wollte sie sich nun den Traum, den sie für die Rente zurückgehalten hatte, erfüllen und zugleich ihre körperliche Rehabilitation fördern. Dabei unterstützte sie ihr Lebenspartner tatkräftig und bereitete sich mit ihr auf die Tour vor. Erst seit diesem Jahr kann Margot Shifferaw wieder längere Touren auf dem Tandem unternehmen. Sie ist zu 50 Prozent schwerbehindert, ihr Partner zu 80 Prozent.

"Er ist das Zugpferd, er ist Deutschland. Ich bin das arme Europa hintendrauf", beschreibt sie lachend. Von der eigenen Haustür, vor der der Jakobsweg eines jeden Pilgers beginnt, ging es auf dem Linzgauer Jakobsweg über den Bodensee nach Einsiedeln und den Schwabenweg nach Frankreich. Der Camino führte sie weiter über Le Puy é Vellay und Sant Jean Pied de Port, durch Spanien in die Pyrenäen über Pamplona nach Burgos.

Nach 2500 Kilometern erreichten sie Santiago de Compostella und fuhren weiter bis ans Ende der Welt, das Kap Finisterre, das an der Westküste von Galicien im Nordwesten von Spanien liegt. Doch sie hatten noch nicht genug. Die Rückreise führte mit dem Auto entlang der baskischen Atlantikküste nach San Sebastian. Dann stiegen sie wieder auf 

Harald Bodirsky (links) und Margot Shifferaw aus Rengetsweiler begaben sich 66 Tage mit dem Tandem auf den Jakobsweg. Ihr Weg führte unter anderem über den Ibañeta-Pass in den spanischen Pyrenäen.
Bild: Harald Bodirsky

das Tandem, fuhren entlang des Atlantik-Pilgerwegs über Bordeaux an der Garonne entlang, setzten mit der Fähre nach Royan über und fuhren an der Loire weiter und zurück nach Hause. Der Pilgerweg auf dem Tandem war eine "super Erfahrung in Pilgerherbergen und mit Menschen, die man getroffen hat". Der Jakobsweg sei ein toller Weg, der in jeder Hinsicht viel biete. Die Pilgerwege seien sehr gut organisiert und viele Herbergseltern seien sehr entgegenkommend gewesen. Ihr Gepäck und das Zelt führten sie in einem kleinen Weber-Monoporter, einem Fahrradgepäckanhänger, mit.

Die Tandem-Pilger übernachteten in außergewöhnlichen Pilgerherbergen, wie einer alten Molkerei, einer umgebauten alten Kirche mit einer Art Hochregallager für Pilger in den Seitenschiffen, Pfarrhäusern und Privatquartieren. Auf dem Kissen in einer Herberge habe sie eine kleine Botschaft vorgefunden und als "höheren Sinn" für ihren Pilgerweg übernommen: "Was ich suche, trage ich in mir und jeder Schritt Santiago entgegen ist ein weiterer Schritt in die Tiefe meines eigenen Ich", liest Shifferaw vor. "Wir hatten kein E-Bike, sind aber manchmal unter Starkstrom gestanden", verrät Harald Bodirsky. "Auf der Strecke gab es viel Auf und Ab", beschreiben die Tandem-Pilger die schwierige Fahrradtour. "Wir sind fünfmal einen Zehntausender raufgefahren", so Shifferaw. Die kürzeste Etappe betrug 25 Kilometer und wurde durch den Regen vorzeitig beendet. Teilweise hatten die Rengetsweiler fünf Regentage am Stück. Aber der Frühling und der blühende Ginster hätten sie bis nach Spanien hinab begleitet.


 
 

Sandra Häusler, Südkurier Meßkirch, 23.08.2016