> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 21. Februar 2014
 

Ein Blick in den Weltraum

Uwe Knöbel am Bau der Rosetta-Sonde beteiligt - Einstiger Astrium-Mitarbeiter verfolgt die Mission

Meßkirch-Rengetsweiler - „Es war ein tolles Gefühl“, beschreibt der pensionierte Astrophysiker Uwe Knöbel aus Rengetsweiler den Moment, als er am 20. Januar durch eine Fernsehmeldung erfuhr, dass sich die Kometensonde Rosetta nach zehnjährigem Tiefschlaf zurückgemeldet hatte. Knöbel war für das Raumfahrtunternehmen Astrium als Koordinator in Turin an Zusammenbau und Tests der Rosetta-Sonde beteiligt. Diese wurde für die Mission „Rosetta“ des Weltraumforschungsprogramms der Europäischen Weltraumorganisation von Astrium in Immenstaad entwickelt und gebaut.

„Es ist eine außergewöhnliche Mission aufgrund der langen Dauer und der Anforderung, die vor Ort auf den Satelliten und das Modul zukommen“, unterstreicht Knöbel. Am 2. März 2004 sei die Kometensonde Rosetta mit einer Ariane-5-Rakete vom europäischen Weltraumhafen Kourou (Französisch Guyana) aus gestartet. Sie soll als erster Raumflugkörper im August 2014 auf eine Umlaufbahn um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko gebracht werden. Im November 2014 soll der Lander Philae, den Rosetta Huckepack trägt, auf dem Kometen abgesetzt werden. Mit Philae kann Kometenmaterial direkt und detailliert untersucht werden. Kometen gelten als kosmische Gefriertruhen, denn die Materie bleibt in ihrem ursprünglichen Zustand von über 4,6 Milliarden Jahren erhalten.

Astrium erhielt als Hauptauftragnehmer den Auftrag für die Sonde von der ESA. Insgesamt war ein Industrie-Team mit mehr als 50 Unterauftragnehmern aus 15 Ländern an der Rosetta-Mission beteiligt. 2002 wurde Rosetta fertiggestellt. Nach dem Start im März 2004 wurde Rosetta für einen Großteil der zehneinhalbjährigen Missionszeit in den Tiefschlaf geschickt, um Energie und Treibstoff zu sparen, erklärt Knöbel. Vier Wecker weckten Rosetta im Januar dann aus dem Tiefschlaf. Rund 7,1 Milliarden Kilometer wird Rosetta bis zum Ende der Mission durch unser Sonnensystem  zurückgelegt haben. Sie ist mit der Fähigkeit

Astrophysiker Uwe Knöbel aus Rengetsweiler verfolgt die Rosetta-Mission mit Interesse und Wohlwollen. Er war am Zusammenbau und Tests der Kometensonde beteiligt.
Bild: Häusler

ausgestattet, autonom zu arbeiten, orientiert sich durch Sternsensoren vollautomatisch im Weltall. Nach Erreichen des Kometen 67P/Tschurjumow- Gerassimenko umrundet ihn Rosetta als Orbiter und erkundet den Landeplatz für Philae. Etwa ein Jahr lang wird Rosetta den Kometen begleiten, die Daten des Landers an die Erde funken und hoffentlich das Aktivwerden des Kometen bei Annäherung an die Sonne untersuchen.

Mittlerweile ist der 68-jährige Astrophysiker im Ruhestand. Er sagt: „Ich genieße jeden Tag. Ich habe freie Verfügung über meine Zeit, habe Ruhe und Platz, lebe in der Natur. Das ist für mich Luxus und das Gegenprogramm zur Technik.“ Er fühlt sich mit seiner Frau Waltraud in Rengetsweiler wohl, liest, hört gerne Musik und musiziert auch selbst. Uwe Knöbel beobachtet die Rosetta-Mission aus einer gewissen Distanz heraus mit sehr viel Empathie und Wohlwollen und unterstreicht: „Man kann vieles testen, aber ob es dann wirklich funktioniert, ist bei solch komplexen Systemen immer wieder eine große Herausforderung.“

Weitere Informationen im Internet:
Wissenswertes rund um die Rosetta-Mission


 
 

Sandra Häusler, Südkurier Meßkirch, 21.02.2014