> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 27. Mai 2010
 

 Scheiben für Nobelmarken

Azubi Benjamin Kraus legt super Prüfung ab - 
Nach Krisenjahr wieder viele Aufträge

Meßkirch-Rengetsweiler - Porsche, Lamborghini, Audi und BMW – die nobelsten Adressen der deutschen Automobilindustrie haben eines gemeinsam. Alle beziehen die Bremsscheiben ihrer Nobelautos von der Firma Metall-Kunststoff Alber aus Rengetsweiler. Vor 27 Jahren tüftelte Firmengründer Herbert Alber in einer Garage an seiner ersten Bremsscheibe und binnen drei Jahrzehnten entwickelte sich daraus ein mittelständisches Unternehmen mit derzeit 70 Beschäftigten, darunter elf Auszubildenden.

Die Hochachtung über die Leistung des „Chefs“, der als nimmermüder Tüftler und Ideengeber „immer mindestens einen Schritt vorausdenkt“ im Betrieb spürbar. Auch Sohn Christian, der mit seinem Bruder Daniel immer mehr in die Verantwortung einbezogen wird, staunt über die Kreativität und den Einfallsreichtum, mit denen sein 56-jähriger Vater die Bremsscheibe perfektioniert, um den Anforderungen der Autoindustrie zu genügen.

Die Leistungsbereitschaft und das Verantwortungsbewusstsein des Familienbetriebes zeigt sich auch in der Bereitschaft, Lehrstellen anzubieten, und die Auszubildenden danken es den Chefs mit hervorragenden Prüfungsergebnissen. „Aber eine solch beispiellose Karriere hat noch keiner gemacht“, freut sich Betriebsleiter Schuler über einen ganz besonderen „Azubi“ – Benjamin Kraus, der seine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Zerspannmechaniker als Kammersieger der IHK Bodensee-Oberschwaben und neuntbester Prüfling in Baden-Württemberg abschloss. Bei der betrieblichen Abschlussprüfung holte er 100 von 100 möglichen Punkten. Christian Alber ist für das Prüfungsergebnis mitverantwortlich, denn zeitgleich mit Benjamin Kraus übernahm der Industriemeister die Ausbildungsleitung bei Alber. Fünf CNC-Maschinen stehen für die Ausbildung zur Verfügung und Alber ist der einzige Betrieb im Kammerbezirk, der eine CNC-Ausbildung anbietet.

In den vergangenen Jahren investierte Alber etliche Millionen Euro in neue Maschinen und auch 2010 wurden schon zwei neue gekauft. Von diesem Boom profitierte auch Benjamin Kraus. Der damals 27-jährige gelernte Elektriker musste nach gesundheitlichen

Er ist einer aus dem Team von Metall-Kunststoff Alber in Rengetsweiler: Kammersieger Benjamin Kraus.
Bild: Volk

Problemen einen neuen Beruf lernen und die Firma Alber erkannte schnell, dass der Mann richtig war. Schon während der Lehrzeit leitete er die Fräserei kommissarisch und hat jetzt die Leitung des sechsköpfigen Teams offiziell übernommen. „Das war schon etwas anderes“, erinnert sich der verheiratete Vater einer dreieinhalb Jahre alten Tochter an die Zeit, als er nach zehnjähriger Abstinenz mit deutlich jüngeren Mitschülern wieder die Schulbank drücken musste.

Im vergangenen Krisenjahr musste Alber einen 80-prozentigen Auftragsrückgang der Autoindustrie verkraften und entließ 25 von 100 Beschäftigten. „Aber derzeit kommen wir mit der Arbeit kaum nach“, freut sich Betriebsleiter Schuler, wobei er den enorm gestiegenen Auftragseingang noch etwas skeptisch beäugt. Im Zwei-Schicht-Betrieb stellt Alber hochwertige Bremsscheiben für die Luxus- und Premiummarken her, unter anderem Bentley, wobei ein Satz der Keramikscheiben 8000 bis 16 000 Euro kostet.

Eine immer wichtigere Rolle spielt dabei die Meßtechnik, so werden Scheiben mit einer Abweichung von einem tausendstel Milimeter als Ausschuss nicht mehr akzeptiert. „Wir haben 3000 Meßwerkzeuge im Betrieb, die wir im Zwei-Jahres-Rhythmus kallibrieren müssen“, erläutert Schuler. Trotz des hochmodernen Maschinenparks mit 70 Maschinen auf 4000 Quadratmetern Betriebsfläche macht Ausbildungsleiter Christian Alber potentiellen Lehrstelleninteressenten Mut, sich zu bewerben. „Ein guter Hauptschüler mit einem Zweier-Schnitt hat bei uns gute Chancen“, hoffen er und Schuler auf weitere „Käpsele“ wie Benjamin Kraus.


 
 

Siegfried Volk, Südkurier Meßkirch, 27.05.2010

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