> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 08. August 2009
 

„Wichtige Epoche für Wald“

Ex-Schulleiter Frieder Grupp erinnert sich an die Anfänge der Nachbarschaftshauptschule 

Die Nachbarschaftshauptschule mit Werkrealschule Wald beendete den Schulbetrieb zum 31. Juli. Die letzte Schulentlassfeier war für den ehemaligen Schulleiter Frieder Grupp Auslöser für eine Zeitreise zurück in den Anfängen der Hauptschule, im Jahre 1966.

Wald - „Die Hauptschule ist über 43 Jahre eine wichtige Epoche für Wald gewesen“, sagt Frieder Grupp, der 1962 als Schulleiter nach Wald kam. Der damals 30-Jährige war einer der jüngsten Rektoren des Landes. 39 Jahre lang, bis 2001, leitete er die Schule. Diese habe vieles richtig gemacht und im ländlichen Raum vielen Schulabgängern eine Bildungschance gegeben habe, lautet sein Resümee.

1966 sah der Schulentwicklungsplan vor, Jahrgangsklassen zu bilden und eine Fremdsprache, Englisch, einzuführen. Der Unterricht in Deutsch, Naturwissenschaften und Sachkunde solle verstärkt werden. Vor 1966 gab es Einklassenschulen der Klassen 1 bis 8. Grupp hatte die Aufgabe, die Einklassenschulen aufzulösen und in Wald eine Mittelpunktschule für die Klassen fünf bis neun zu bilden. „Die Einführung der Hauptschule war sehr schwierig“, erklärte Grupp, beschreibt die Zeit aber trotzdem als spannend und eine Pionierleistung. Die Schülerbeförderung musste eingerichtet werden. Junge Lehrer kamen an die Hauptschule. „Durch qualifizierte und engagierte Lehrer mit vielen Ideen, waren alle Fächer super besetzt. Wald war der in ganzen Umgebung der Zeit voraus!“, sagte Grupp stolz. Als Beispiele dafür nannte er die modellhafte Unterrichtung von „Knaben“ in Hauswirtschaft 1968, was erst 20 Jahre später zum Pflichtfach wurde. Ab 1970 gingen die Schüler zur „Waldputzete“ und waren aktiv bei „Umweltschutz macht Schule“ dabei. 1972 wurde der Antrag auf Einrichtung eines 10. Schuljahres gestellt. Begabtenförderung und ein erweitertes Bildungsangebot folgten.

Mit den Eltern und Vereinen verband die ländlich geprägte Schule eine sehr intensive und kreative Zusammenarbeit. Das Bildungsangebot lief gut an. Die Schule hatte schnell mit Raumkapazitäten zu kämpfen. Es wurde improvisiert in Behelfsmöglichkeiten, wie dem alten Schulhaus, der Vereinshalle des Turnvereins oder Klassen nach Hippetsweiler und Ruhestetten ausgelagert. 1979 wurde der Erweiterungsbau in Rekordzeit fertig gestellt und eingeweiht. Mit vielen Fachräumen und weiteren Klassenräumen erweiterte sich das Bildungsangebot ein weiteres Mal. 1980 wurde eine Außenanlage für den Sport eingerichtet. 1993 wurde die Mehrzweckhalle, die heutige Zehn-Dörfer-Halle ans Schulgebäude angebaut und der Erweiterungsanbau 1997 war wichtig für das 10. Schuljahr, das 1996 in Wald eingeführt wurde. Die Schüler der Hauptschule Wald fanden überall Anschluss in der Arbeitswelt und den weiterführenden Schulen. Viele ehemalige Schüler sind heute Ärzte, Ingenieure, Architekten, Lehrer, bis hin zu Professoren und über die ganze Welt verstreut. Eine einstige Schülerin leitet heute sogar ein College in den USA. Dr. med. Attila Akinli ist mittlerweile 28 Jahre alt und Assistenzarzt in der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm. Er machte nach seiner Schulzeit in Wald die Allgemeine Hochschulreife und studierte danach Humanmedizin an der Universität Ulm. Attila Akinli sagt heute: „Insgesamt erlebte ich die Hauptschulzeit als sehr positiv. Die Vorbereitung auf den weiteren Werdegang ist meines Erachtens gut. Es ist jedoch nicht abzustreiten, dass man sich selber zusätzlich 

Zum letzten Mal verließen die Schüler der Nachbarschaftshauptschule Wald am vergangenen Mittwoch ihre Schule.
Bilder: Häusler
"Durch qualifizierte und engagierte Lehrer mit vielen Ideen waren alle Fächer super besetzt. Wald war der ganzen Umgebung der Zeit voraus!". Frieder Grupp.
"Nichts ist unmöglich. Es gibt immer einen Weg an sein Ziel zu kommen, auch wenn man manchmal ein paar Umwege gehen muss." Simone Maier.

Wissen aneignen muss, wie Zeitungen lesen, Bücher, Zeitschriften, Internet.“

Auch im Sport war Wald immer vorne mit dabei. Bei „Jugend trainiert für Olympia“ belegten die Schülermannschaften auf Kreis-, Oberschulamts- und Landesebene über Jahrzehnte hinweg Spitzenplätze. Viele bleiben dem Sport treu – wie Simone Maier aus Wald. Sie besuchte die NHS Wald von 1990 bis 1995. Später holte sie die Mittlere Reife und die Fachhochschulreife nach. Heute lebt sie auf der Südinsel von Neuseeland. Ihre große Sportleidenschaft und der Ehrgeiz führte sie vom Triathlon zum Ironman. 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer radeln und dann anschließend einen Marathon laufen. Simone Maier ist für die Weltmeisterschaft am 10. Oktober auf Hawaii qualifiziert. Die Sportlerin sagt: „Nichts ist unmöglich. Es gibt immer einen Weg an sein Ziel zu kommen, auch wenn man manchmal ein paar Umwege gehen muss.“


 
 

Sandra Häusler, Südkurier Pfullendorf, 08.08.2009

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