> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 23. März 2009
 

Spuren in der Region

Strecken und Stationen des Jakobsweges zwischen Neckar und Bodensee

Meßkirch-Rengetsweiler – Auf die Spuren der Verehrung des heiligen Jakobus in Südwestdeutschland hat sich der Stockacher Historiker Fredy Meyer bereits in den 80er Jahren gemacht. 2007 brachte er ein Buch heraus „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“, in dem er seine umfangreichen Recherchen zwischen Neckar und Bodensee, dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb akribisch niederschrieb.

Im „Rumpelstilzchen“ in Rengetsweiler stellte er nun in einem Lichtbildervortrag vor, welche Spuren der Jakobuskult in dieser Region hinterlassen hat. „Wie in einer Herberge am Jakobsweg“, meinte Fredy Meyer zum Ambiente des Hauses, wo sich etwa 15 interessierte Zuhörer am flackernden Kamin einfanden. Zu der Absicht des Wirtes, in seinem Haus eine Herberge für Jakobspilger einzurichten, wolle er, so Meyer, mit seinem Vortrag einen kleinen Baustein leisten.

Mit der Historie dieses Pilgerweges, der nun schon seit Jahrhunderten „bereist“ wird, begann Meyer seinen Bericht. War der Weg in den 70er Jahren noch ein Geheimtipp, ging der „Run“ in den 80er Jahren los, spätestens als der Europarat ihn zur europäischen Kulturstraße erklärte. „1990 waren es schon 30 Millionen Menschen, die den Weg gegangen waren“, so Meyer. Den entscheidenden Ruhm erlangte der Pilgerweg durch Hape Kerkeling. „Ich bin zum Pilger geworden, als mich Bruder Jakobus Kaffanke vom Kloster Beuron bat, als Historiker bei der Beschilderung des Jakobsweges in der Region mitzuwirken“, so Fredy Meyer. Sein Buch sieht er als Geschichtsbuch, als Wegbeschreibung, ja als spirituellen Wegbegleiter.

Mit Gedichten und Bildern seiner Frau Lucia Meyer, entstand ein informatives Nachschlagewerk, in dem die Strecken und Stationen des Jakobsweges zwischen Neckar und Bodensee aufgeführt sind. Fünf Routen gibt es in der Region, den Tübinger Jakobsweg, den hohenzollerischen Weg, den Beuroner, Linzgauer und Hegauer Jakobsweg.

Der Stockacher Historiker Fredy Meyer beim Vortrag im Restaurant Rumpelstilzchen in Rengetsweiler
Bild: Beicht

Sie alle haben ihre Reize, vermitteln in den Städten und Ortschaften  spirituelles, aber auch einfach nur den Reiz der Landschaft.

Meyer schwärmt geradezu von den „zauberhaften Wegen“ zwischen Tübingen und Rottenburg, wenn man im Frühling über die Wurmlinger Kapelle durch blühende Streubobstwiesen wandert. Wenn der Blick vom Irndorfer Hardt kommend ins Donautal fällt oder von Pfullendorf über Großschönach kommend über die Weite der Bodensee-Landschaft mit der Alpenkette im Hintergrund.

Viele Hinweise auf den Jakobuskult finden sich unterwegs. Wie zum Beispiel in Hechingen, wo 1957 im Klostergarten von St. Luzen, eine sogenannte „Azabache“ gefunden wurde, ein 3,4 Zentimeter großes Jakobusfigürchens gefunden wurde, das dort im Hohenzollerischen Landesmuseums aufbewahrt wird. Oder in der St. Jakobskirche in Pfullendorf, die „am reichsten mit Bildern zur Jakobusverehrung ausgestattet ist“. Die Pilger bekämen schon hier, eine Vorstellung von jenem Ort, den sie unter „unsäglichen Strapazen erreichen wollen“, so Meyer.

„Der Wunsch, ein Ahnen des Himmels zu spüren, ist wohl der Grund, dass sich heute viele Pilger auf den Weg nach Santiago de Compostela machen“, meinte Fredy Meyer zum Schluss seines Vortrages.


Erhältlich ist das Buch „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ im Buchhandel zum Preis von 19,90 Euro; ISBN-Nr. 978-3-921413-96-8 Nr. 134 in der Reihe der Hegau-Bibliothek.


 
 

Gudrun Beicht, Südkurier Meßkirch, 23.03.2009

nach oben