> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 13. Oktober 2009
 

Süßmost frisch gepresst in den Kindermund

Kindergartenkinder aus Rengetsweiler erleben das Mosten

Rengetsweiler – Aus eigener Muskelkraft haben 21 Kinder vom Kindergarten „Sterntaler“ in Rengetsweiler gleich eimerweise Süßmost gemostet. Eingeladen zum Mitmachen beim herbstlichen Mosten mit der Spindelpresse hatte Hubert Kille. Die Kinder sollten selbst erfahren, wie der Süßmost in die Glasflasche kommt und dann erst ins Getränkefach des Supermarktes.

Der Metzgermeister Kille ist bekannt für seine Vorführungen mit eigenen museumsreifen Dreschmaschinen. Der am Ortsrand von Rengetsweiler wohnende Kille hat auch das Glück einen großen Baumgarten mit alten Sorten zu haben. Unter den reihenweise stehenden Apfel- und Birnbäumen mit seinen unter der Last ihrer reifen Früchte sich biegenden Äste zeigte Kille den bereits mit einem beachtlichen Wissenstand ausgerüsteten Kinder wie Äpfel und Birnen jedes Jahr neu heranwachsen. Sein Obst sei zum Essen zu sauer, dafür aber bestens geeignet zur Herstellung von Süßmost. Jeder Baum habe soviel Obst um 500 Liter Most zu machen. Vom Obst dieser Bäume hätte sein Vater und auch schon sein Großvater Most eingekellert, Fassweise. So wie seine Familie mosteten, so führe auch er es weiter. Nicht ganz, die Obstquetsche früherer Tage hat ausgedient. An seine Stelle trat der elektrische Muser. Als der in Aktion trat hielten sich die Kinder die Ohren zu. Die gleich eimerweise in den Trichter geschütteten Birnen der Sorte „Gelbmostler“ wurden unter heftigen Geräuschen zerkleinert und in eine große Wanne geblasen. Die daneben stehende Mostpresse war dann auch der Blickfang für die Kinder und ihrer drei Erzieherinnen, Jennifer Alber, Silvia Schlegel und Gabi Rabus.

Die noch wie nackt dastehende Presse mit der Spindelstange in der Mitte und dem maulförmigen Auslauf wurde mit einen zweiteiligen Rundzaun umgeben und mit kräftigen Hebeln gesichert. Die Kinder verfolgten dies mit staunenden Augen, beobachteten wie ihr Moster das fein zerkleinerte Obst in die Mostpresse füllte.

Das Mosten von Süßmost mit Hubert Kille aus Rengetsweiler war für 21 Kinder des Kindergartens Sterntaler ein großes Erlebnis.
Bild: Hahn

„Da läuft ja schon der Most unten raus“. Ein Griff zum Eimer und schon war das kleine Malheur aus der Welt. Oben auf den runden Musberg, sagte Kille zu den Kindern, lege ich jetzt vier Bretter und darüber über Kreuz die gleiche Anzahl Kanthölzer. Auf die drückt die große Spindelmutter und mit ihr wird das im eigenen Saft schwimmende Mus über einen Hebel ausgepresst. Als er fast keine Kraft mehr hatte, sagte er zu den Kindern: „Kommt! Kräftig drücken, da sind noch ein paar Liter drin im Birnenmus“. Die ließen sich das nicht zweimal sagen, und tatsächlich, der angehaltene Saftstrom quoll zur Freude der helfenden Kinderhände von neuem an.

Jetzt waren die Kinder fasziniert vom Mosten. Sie erlebten, wie aus gerade noch unter Bäumen aufgelesen Birnen Saft geworden war. Und was für ein süßer. Die Frau des Mosters, Luise Kille, teilte einen vollen Mostkrug des frisch gepressten Birnensafts in die ausgeteilten Becher. Alle Mädchen und Buben probierten und leckten sich die Finger an dem goldgelben 100-prozentigen Naturprodukt. Damit der Süßmost auch süß bleibt, werde der in einen großen, von unten beheizbaren Kupferkessel geschüttet und einige Minuten bei 77 Grad erhitzen. In Flaschen abgefüllt komme der dann sterilisierte Süßmost in den Keller und von da wieder auf den Esstisch.


 
 

Falko Hahn, Südkurier Meßkirch, 13.10.2009

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