> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 27. Januar 2009
 

Fresslustige Rehe schmälern den Gewinn

Forstverwaltung und Jäger sind sich beim Thema Abschusszahlen nicht eins

Im Meßkircher Stadtwald gibt es ein Problem mit dem Wildverbiss. Laut Gemeindeförster Siegbert Arzt von der Kreisforstverwaltung tritt der Verbiss überall dort auf, wo gepflanzt werden muss. In Rengetsweiler beispielsweise seien 20 000 Buchesetzlinge gepflanzt worden. Die Hälfte davon sei beschädigt.

Meßkirch-Rengetsweiler – Der Meßkircher Stadtwald soll naturnaher werden. Die Marschrichtung laute: Weg vom dominierenden Fichtenbestand und hin zum Mischwald, erläutert Arzt. Zwar lieferten die Fichten den größeren wirtschaftlichen Nutzen doch wurzle beispielsweise die Buche tiefer und sei so besser gegen Trockenperioden gerüstet. Bäume wie Ahorn, Esche, Eiche und Douglasie seien jedoch besonders anfällig für Wildverbiss. Laubbaum-Setzlinge würden so mit Röhren um den Stamm vor unliebsamen Besuch geschützt. „Das bedeutet mehr Input und weniger Ertrag, aber wir tun es trotzdem“, beschreibt Arzt die laufenden Anstrengungen. Bei den kleinen Fichten werde eine Bittersalzlösung gesprüht, um den Rehen den Appetit zu verderben. „Das wirkt aber nur halbwegs“, resümiert der Förster. Der besondere Leckerbissen an den Setzlingen sei die Endknospe. „Die ist am Dicksten und nährstoffreichsten.“

Die Folgen des Wildverbisses beschreibt er so: „Die Bäume brauchen wesentlich länger, um zu wachsen und entwickeln keine schöne Stammform.“ Erschwerend komme dazu, dass zumeist an Zweite-Klasse-Standorten gepflanzt wird. Sprich dort, wo die Wachstumsbedingungen ohnehin nicht optimal sind. „Anderswo geht die Naturverjüngung von selbst“, sagt Arzt. Für die jungen Bäume bedeute der Rehbesuch daher eine doppelte Erschwernis.

Naheliegend also, dass es beim Thema Abschusszahlen zwischen Forst und Jägerschaft an einigen Stellen im Gebälk knirscht. Der Aussage von Armin Hafner, Hegering Meßkirch, dass der Wildverbiss nicht das nachhaltige Übel sei, als das er dargestellt wird, widerspricht Arzt dementsprechend. Zwar koste ein Buchen- oder Fichtensetzling bloß ein paar Euro doch gehe man davon aus, dass ein Baum wegen des Verbisses erst zehn bis 15 Jahre später  seine Ertragsreife erreicht, sagt der Förster. Entsprechend addiere sich der Schaden. 

Hier knabbern die Rehe am liebsten. Gemeindeförster Siegbert Arzt zeigt auf die Endknospe einer kleinen Fichte. Insgesamt stelle der Wildverbiss durch Rehe ein großes Problem im Stadtwald dar, klagt der Förster.
Bild: Moser

Hafner kritisiert auch die Kriterien für die Verbissgutachten als nicht mehr zeitgemäß. So werde schon von Verbiss gesprochen, wenn der Forst bloß einen Zaun um Neupflanzungen aufstellt, sagt er. Arzt entgegnet, dass die Zäune nur dann aufgestellt würden, wenn davon ausgegangen werden könne, dass der Verbiss an dem Ort bei über der Hälfte liegt. Dies fließe dann als „Starker Verbiss“ in das Gutachten ein. Im Kommunal- und im Staatswald sei dieses Vorgehen aber schlüssig, betont Arzt.

Eine weitere Reibstelle zwischen Jägerschaft und Forst zeigt sich in Hafners Frage, ob die Gutachten überhaupt noch einen Sinn machten. Arzt hingegen sagt dazu: „Wir schreiben immer rein ‚starker Verbiss' und erhöhen die Abschusszahlen, aber es tut sich nichts.“

Eine Änderung bedeutet da die im vergangenen Jahr in einigen Revieren des Hegering-Meßkirch eingeführte „Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan“, kurz „Roba“ genannt. Bei dem auf drei Jahre angelegten Projekt, das auf Initiative der Jägerschaft eingeführt wurde und zu einem Bürokratieabbau beitragen soll, liegt es im Ermessen der Jagdpächter, wie viel Rehe von ihnen geschossen werden. Aus Jäger-Sicht eine gute Sache. Erhöhte Abschusszahlen, bedeuteten höheren Druck und den habe niemand gerne, sagt Hafner.


 
 

Gregor Moser, Südkurier Meßkirch, 27.01.2009

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