> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 15. Mai 2008
 

Mit dem Hammellauf fing alles an

Rengetsweiler Waldfest: Wie 1968 alles begann und wie die "Flippers" jahrelang für Zuschauer-Anstürme sorgten


Beim Kindersingwettbewerb am Montagnachmittag waren zu Beginn der 80er Jahre viele junge Sänger am Start.


Eine gefragte Tanzkapelle waren die Rengetsweiler Musikanten, hier unter der Leitung von Fritz Kille, die von Lindau bis in den Stuttgarter Raum ihr musikalisches Repertoire spielten. Repros: Löffler


Stolz hält Anton Liehner ein altes Plakat der Flippers
Bild: Löffler

Im Jahr 1968, so erinnern sich zwei Ehrenmitglieder der Rengetsweiler Musikanten, Anton Liehner und Franz Kille, war das erste Waldfest im so genannten "Stoibruch", der am Ortsausgang des Meßkircher Ortsteils in Richtung Kappel liegt. Das Fest wurde an Pfingsten ausgerichtet, der Höhepunkt war ein Hammellauf, bei dem die Teilnehmer so lange im abgesteckten Kreis liefen, bis ein lauter Knall aus dem nahen Wäldchen das Aus der Runde ankündigte. Derjenige, der beim Schuss auf dem Treppchen stand, hatte gewonnen und durfte den ersten Preis, einen Hammel, mit nach Hause nehmen. Vieles hat sich geändert im Laufe der Jahre am Programm des Rengetsweiler Waldfestes, doch der Hammellauf am Sonntagnachmittag hat nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Jung und Alt reihen sich nach wie vor gerne in die Teilnehmerschar ein, um ihr Glück auf die Probe zu stellen.

Die erste Veranstaltung 1968 war ein Gartenfest bei schönstem Pfingstwetter, beim zweiten machten einzelne Regenschauer den Gästen zu schaffen. So entschloss man sich, nach einem Festzelt Ausschau zu halten. Die Verpflegung war sehr spartanisch, es gab heiße Würste aus einem großen Wasserkessel. Heribert Möll, erinnert sich Franz Kille, führte 1970 Pommes Frites auf dem Fest ein, was damals einer Sensation gleichkam. Ein Jahr später wurde das aus den Nähten platzende Fest in die Nähe des Sportplatzes verlegt. Zum gleichen Zeitpunkt wurden die Besucher in die sonntäglichen Festgottesdienste eingeladen, die bis 1990 im Zelt gefeiert wurden. Der Liederkranz Dietershofen/Rengetsweiler umrahmte diese größtenteils musikalisch, doch auch das Akkordeonorchester Rengetsweiler und die ortsansässige Band "Criss Cross" durften die Gottesdienste in einigen Jahren musikalisch begleiten.

Die Rengetsweiler Musikanten, damals eine sehr gefragte Tanzkapelle, die bei vielen Festen von Stuttgart bis Lindau auftrat, holten sich bei ihren Engagements wertvolle Anregungen, die sie zum Teil in ihren Festablauf einfließen ließen. Nach kürzester Zeit wuchs das Waldfest zu überregionalem Bekanntheitsgrad, was natürlich auch auf der Verpflichtung von bekannten Gruppen beruhte. Wohlklingende Namen wie "Flippers", "Kastelruther Spatzen", "Allgäuer Dorfmusikanten", "Original Alpenlandquintett", "Peter Schad und seine Oberschwäbischen Dorfmusikanten" und "Blaumeisen" verhalfen 

dem Rengetsweiler Waldfest zu Qualität. Auch regionale Bands wie "Square", "Foxtrott", "Akropolis" und andere bekamen eine Auftrittsmöglichkeit - die Liste der Bewerber wuchs jedes Jahr.

Die "Kaiserlich Böhmischen", die 1974 am Sonntagabend auftraten, waren der bisherige unumstrittene Höhepunkt der Live-Unterhaltung, dessen sind sich Anton  Liehner und Franz Kille sicher. Mit markigen Sprüchen und frechen Witzen, garniert mit feinster bayrischer Blasmusik, wurden die Zuhörer von einer Lachsalve zur anderen getrieben. Dass die Rengetsweiler Musikanten neben der Bewirtung noch Zeit hatten, jeweils selbst am Waldfest aufzuspielen, kann man heute fast nicht mehr glauben. Viele neue Ideen wurden immer wieder ins Programm eingebracht. So gab es 1977 erstmals am Samstagabend ein Nonstop-Programm mit der ebenfalls aus Rengetsweiler stammenden jungen Band "Criss Cross".

Auch wurden zwei Jahre lang Boxsportveranstaltungen mit mehreren Kämpfen ausgerichtet und anschließend spielten die Rengetsweiler Musikanten zum Tanz auf. Die Idee des Kindersing-Wettbewerbes wurde bei einer Musikerreise nach Ludwigsburg ins heimische Rengetsweiler mitgebracht. Seit 1979 wird am Montagnachmittag das Wettsingen veranstaltet, bei dem die Verantwortlichen aus Schule und Kindergarten als Jury fungieren. In den 70er Jahren wurden für den Montagabend jahrelang "Die Flippers" verpflichtet, die Besucherströme von nah und fern magnetisch anzogen. Mehr als zehn Jahre lang hielten sie dem Rengetsweiler Waldfest die Treue, daran erinnert sich manch einer gerne zurück.

Auf das sich immer wieder ändernde Freizeitverhalten der Gäste reagierten die Veranstalter flexibel: Aus dem samstäglichen Tanzabend wurde eine Party-Power-Nacht, der Montagabend mit Blaumeisen und Co. gehört der Vergangenheit an, stattdessen ist jetzt Oktoberfest-Stimmung angesagt. Und am Freitag bekommen Nachwuchsbands aus der Region eine Auftrittsmöglichkeit. Stolz sind Anton Liehner und seine Kameraden auf bisher 39 Feste, die ohne größere Zwischenfälle verliefen und dass sich alle Vereinsmitglieder gemeinsam "bis zum Umfallen" für den Verein einsetzen. Die 40. Auflage des Rengetsweiler Waldfestes findet ab Morgen statt.


 
 

Ulrike Löffler, Südkurier Meßkirch, 15.05.2008

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