> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 09. September 2008
 

Schlammschlacht und Hochspannung

Rund 2000 Zuschauer beim Supermoto in Sigmaringen

Sigmaringen - Spannende Rennen, spektakuläre Aktionen, sämtliche Wetterlagen und anspruchsvolle Streckenverhältnisse - Zuschauer und Fahrer des 4. Sigmaringer Supermoto des Rallye Racing Teams Scheer (RRT) kamen trotz der reduzierten Streckenführung am Sonntag voll auf ihre Kosten. Da ging wohl kaum jemand enttäuscht nach Hause.

Am Morgen ist die Stimmung noch etwas gedrückt im Fahrerlager. Pressesprecher Michael Dichtl verteilt die neuen Steckenpläne, die schon am Abend vom Rennkommissar festgelegt wurden. Die Off-Roadstrecke, die größten Teils unter Wasser steht, wurde stark gekürzt und der Sprunghügel fällt weg.

Im strömenden Regen stehen die Motorradsportler mit halb herabhängenden Lederkombies vor ihren Maschinen und beraten. Lokalmatador Michael Vochazer fährt mit dem Daumen über das Profil seines Regenreifens, "Den hab ich eigentlich in München schon abgefahren" erklärt er. 300 Euro für einen neuen Satz Regenreifen für diese Saison waren eigentlich nicht mehr eingeplant. Als einziger Fahrer vom Ralley Racing Team Scheer, der bei den Profis startet, sieht er als DM-Fahrer eh nur Chancen auf das Mittelfeld, hinter der Übermacht der "richtigen" Profis, die EM- und WM-Punkte einfahren.

Für die Meßkircher Klaus Binder und Christoph Specker ist das Abenteuer noch viel größer. "Ich bin noch gar nie mit Regenreifen gefahren", verweist Binder auf seine drei Trainingseinheiten in einer Kiesgrube, und freut sich trotz aller Nervosität einfach, dabei zu sein. Der Walder Andreas Loes versucht noch, Probleme mit seinem Kickstarter zu beheben und stülpt dann seiner Tochter Emilia gegen den Motorlärm ihre rosaroten Ohrenschützer auf. "Ich hoffe dass die das nicht anfängt, sonst hab ich jede Menge Arbeit bis ins hohe Alter", denkt er schon ein Stück weiter, bevor er seine KTM zum Warm Up auf die Strecke fährt.

Obwohl der 500 Meter langen Asphaltstrecke nur noch 100 Meter Gelände gegenüber stehen, beginnt der Renntag mit einer Schlammschlacht. Bei den Trainings und Qualifikationsläufen graben sich die Vorderräder bei aufheulenden Motoren in die Rillen der zwei Geländekurven. Schon nach wenigen Runden sind abgewetzte Lederkombis und neonfarbene Regenjacken farblich nicht mehr zu unterscheiden. Fahrer und Maschinen sind mit der gleichen Schlammschicht überzogen wie der geteerte Teil der Strecke.

Dafür kommt zwischen den Rennläufen ein Fahrer mit Formel-1-Erfahrung auf die Strecke. Andreas Schwarzenberger sorgt mit seiner Nothhelfer- Hochdruckreinigungsmaschine und knappen 

Schlamm war beim Supermoto in Sigmaringen keine Seltenheit - und spannende Zweikämpfe auch nicht. 
Bilder: Goldau
Tollen Motorsport gab es am Sonntag in Sigmaringen

10000 Litern Wasser für porentiefe Reinigung des Straßenbelages. Langsam klart es auf und die Sonne tut ihr übriges dazu, dass die mittlerweile doch fast 2000 Zuschauer nicht mehr mit Schlammspritzern überzogen werden, sondern mit einer dicken Staubschicht.

Rennleiter Wunibald Blender zeigt sich hoch zufrieden über den Verlauf, auch wenn Rennarzt Dr. Frimmel mit der Erstversorgung eines Bänderrisses und einer schweren Gehirnerschütterung nicht ganz untätig bleiben musste.

Moto Cross-Sprecher Carsten Wernado aus Jagsthausen kommentiert schließlich die spannenden Finalläufe mit großer Begeisterung. Bei den Amateuren vor allem für die 16jährige Janina, die mit wehendem blonden Zopf hinter ihrem 15jährigen Bruder herjagt und nur durch einen Sturz kurz vor Schluss die Doppelspitze der Geschwister verpasst. Profi-Sieger Dani Müller moniert sich zwar vor dem letzten Rennen, dass er es eigentlich nicht gewohnt ist, ohne Reifenwärmer zu starten, fährt aber wie erwartet den Gesamtsieg ein. Mit Wheelies, Stoppies, Burnouts und Rubbers belohnen die Fahrer ihre Zuschauer am Ende mit akrobatischen Einlagen bei der so mancher Reifen schließlich seine Rennlaufbahn gebührend beend.

Bildergalerie im Internet:
www.suedkurier.de/bilder

     

Ergebnisse:
Tagessieger Profilauf: 1 Platz Dani Müller, SUI Muri (CH), 2. und 3. Serge und Cyrill Scheiwiller, beide SUI Ulisbach, (CH) Platz 16 Michael Vochazer, RRT Scheer.

Tagessieger Amateure: 1. Kevin Würterle, Berkheim, 2. Sandro Walder, SUI Eschenbach, RRT Scheer, 3. Janina Würterle, Berkheim. 7. Steffen Schmid, Weinstadt, MRS KTM Rau, 
12. Christian Stolz, Krauchenwies, RRT Scheer, 14. Marc-Reiner Schmidt, Friedrichshafen, RRT Scheer.

Amateure Hoffnungslauf:
Platz 6 Christoph Specker, Meßkirch, Platz 13 Klaus Binder, Menningen, Platz 16 Andreas Loes, Wald.


 
 

Martina Goldau, Südkurier Sigmaringen, 05.09.2008

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