> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 30. August 2008
 

Ein ganzes Dorf nimmt Anteil

Vereine finanzieren Kururlaub für Rengetsweiler Johann Stemmer und seine Frau Maria 

Rengetsweiler - Am 15. Dezember 2005 hat sich das Leben der Familie von Johann und Maria Stemmer in Rengetsweiler grundlegend geändert. Johann Stemmer brach bei der Arbeit mit einem Schlaganfall zusammen. Seither haben er, seine Frau Maria und die beiden Söhne viel durchgemacht, aber auch Zuneigung von allen Seiten erfahren.

Der Schickschalsschlag war hart, als Johann Stemmer, der als Kraftfahrzeugmechaniker arbeitete, mit 55 Jahren zusammenbrach. Von der Notaufnahme in Sigmaringen wurde er direkt zur Spezialbehandlung nach Villingen-Schwenningen gebracht. Zwei Wochen zwischen Hoffen und Bangen folgten, ob der Kranke die Augen wieder öffne. Es sei sehr schmerzlich gewesen, meint heute Maria Stemmer, aber auch eine große Hilfe, wenn man mit den Leuten aus dem Dorf darüber sprechen konnte. Das allein schon habe Mut, Zuversicht und Hoffnung gegeben. Über zwei Wochen lag Johann Stemmer auf der Intensivstation im Koma. Und dann die große Überraschung: Am zweiten Weihnachtsfeiertag öffnete er das erste Mal wieder die Augen und registrierte die Familie um das Krankenbett.

Durch den Schlaganfall war eine halbseitige Lähmung eingetreten, auch das Sprachvermögen von Johann Stemmer war in Mitleidenschaft gezogen. Nach vierwöchigem Krankenhausaufenthalt folgte in Gailingen eine zwölf Wochen dauernde Therapie. Dennoch ist der Rollstuhl seither Johann Stemmers wichtigste Sitz- und Bewegungshilfe.

Er, der von jungen Jahren an Sport getrieben hat, aktiver Fußballer war beim SV Rengetsweiler, Trainerarbeit geleistet hat und sich frei bewegen konnte, war und ist auf fremde Hilfe angewiesen. "Das war eine sehr schwere Zeit für ihn und die ganze Familie", erzählt Maria Stemmer mit bewegter Stimme. "Wir konnten und wollten es fast nicht glauben, dass wir ihm seine Wünsche anfänglich nur von den Augen und Gesten ablesen mussten. Doch in dieser für die Familie harten und ungewissen Zeit konnten wir die große Anteilnahme aus dem ganzen Dorf erfahren." Immer wieder habe man die Familie bei Fahrten ins Krankenhaus oder zur Therapie unterstützt.

Das Dorf hat ihn nicht vergessen. Johann Stemmer war ein Vereinsmensch, der sich gern ehrenamtlich engagierte. Als Schlagzeuger war er über 20 Jahre aktiv in Rengetsweiler und auch sonst immer dort, wo man Hilfe brauchte. "Dass dies nach dem Schlaganfall nicht mehr so sein kann, mussten wir alle verarbeiten", sagt Maria Stemmer. "Es ist bei uns jetzt so eingerichtet, dass der Vater nie alleine zu Hause ist." Natürlich ist in den zweieinhalb Jahren eine große Besserung eingetreten, so dass Johann Stemmer sich sprachlich verständigen oder auch mit Unterstützung einige Schritte gehen kann. "Es hat uns und 

Johann Stemmer (im Rollstuhl) und seine Ehefrau Maria, umringt von den Vereinsvorständen aus Rengetsweiler und Walbertsweiler. Rechts kniend Reinhard Ehrenmann, der die Sammel-Aktion für den Kuraufenthalt des Ehepaars Stemmer organisierte.
Bild: Mägerle

ihn in jeder Hinsicht aufgebaut, dass das ganze Dorf seine Genesung wünschte. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass das  ganzer Dorf hinter Johann und mir steht", meint seine Frau gerührt.

An Beispielen kommt die Großzügigkeit, die von Freunden, Arbeitskollegen, Bekannten und den Vereinen aus dem Dorf gezeigt wird, zum Ausdruck. Eine große Freude der verstorbene ehemalige Ortsvorsteher Anton Liehner Stemmer im vergangenen Jahr noch, als er ihn und seine Frau Maria nach Stuttgart zu einem Gastspiel bei den "Flippers" einlud. Beide empfinden große Dankbarkeit für alle, die ihnen beigestanden und die Familie unterstützt haben.

Zwischenzeitlich nimmt Johann Stemmer wieder am Dorfgeschehen teil. Im Rollstuhl lässt er sich bei öffentlichen Veranstaltungen sehen. Der SV Rengetsweiler nahm das zum Anlass, das 50-jährige Vereinsbestehen im vergangenen Monat im Zeichen seines ehemaligen aktiven Fußballers Johann Stemmer zu feiern. Er gehört dem Verein seit 40 Jahre an.

Der Verein hatte mit vielen Helfern eine Überraschung vorbereitet, die super gelang, wie Vorsitzender Reinhard Ehrenmann erzählt: Die aktiven Fußballer, die Dorfgemeinschaft Rengetsweiler, der Narrenverein Randenmale und viele andere spendeten für einen speziellen Kur-Urlaub, der Johann Stemmer und seiner Frau Entspannung bringen soll.

Im Beisein der Spender überreichte Reinhardt Ehremann das Geschenk. "Mit so viel Zuneigung und netten Gesten, die uns aus allen Bevölkerungsschichten von Jung und Alt entgegenbrachten werden, hätten wir nie gerechnet", sagt Maria Stemmer glücklich. Mit einem herzlichen Dankeschön an alle, die dazu beigetragen haben, nahm sie das Geschenk auch namens ihres Mannes Johann an, der sehr bewegt über diese Geste war.


 
 

Karl Mägerle, Südkurier Meßkirch, 30.08.2008

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