> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 26. Juni 2008
 

Warten auf den Uka

Kommentar von Siegfried Volk zur Schulsituation in Wald

Wald - Mit seinem Beschluss, die Vereinbarungen über den Betrieb von Nachbarschaftsschulen baldmöglichst zu kündigen, hat der Gemeinderat den Domino-Effekt ausgelöst, der das Aus für mehrere Schulen bedeuten kann, spätestens im Schuljahr 2013/2014. Bürgermeister und Gemeinderat haben bei ihrem Beschluss das Unwort "Auflösung" vermieden. Der "schwarze Peter" wurde dem Kultusministerium zugeschoben, sollte Stuttgart in Kürze nicht realisierbare Mindestgrößen für Hauptschulen vorgeben. Dass die Schuldebatte für Ärger, Wut, ja Zorn bei vielen Menschen führte, haben vor allem Behörden und Verwaltungen zu verantworten. Die Zukunft von Kindern und ihre Chancengleichheit im Bildungsbereich sind elementare Angelegenheiten, die nicht über die Köpfe der Bürger entschieden werden dürfen. Wer garantiert, dass die neue Grundschule Wald dasselbe Niveau bietet wie die bestehenden in Aach-Linz und Rengetsweiler? Was ist mit der Schulausstattung, der Schülerbeförderung? Die Zuflucht zu Paragrafen und Verantwortungsebenen missachtet eindeutig die Rechte des mündigen Bürgers. Es kann nicht sein, dass auf Grund jederzeit veränderbarer politischer Entscheidungen gewachsene und erfolgreiche Strukturen zerschlagen werden und den Betroffenen das Recht verwehrt wird, nach den Gründen zu fragen. Der ehemalige CDU-Ministerpräsident Lothar Späth hat sich gestern im SÜDKURIER für kleine Hauptschulen mit intensiven Betreuungsmöglichkeiten ausgesprochen.
Siegfried Volk

Und seine Partei predigt auch auf Landesebene seit Jahrzehnten das Prinzip der Subsidiarität. Also, was die kleine Einheit erledigen kann, muss nicht auf eine größere übertragen werden.

Aber in der Praxis handeln Kultusminister Rau und Ministerpräsident Oettinger völlig anders. Kleine, gut funktionierende Einheiten werden zerschlagen, um große Zentren zu schaffen. Der eigentliche Skandal ist aber, dass sich Verantwortliche um alles Gedanken machen, nur nicht um die betroffenen Kinder samt Eltern. Die Chancenungleichheit im Bildungssektor wird erneut vergrößert. Noch mehr Eltern werden ihre Kinder in die höheren Schulen oder gleich in Privatschulen schicken. Der ländliche Raum steht vor einem Wendepunkt: Politisch motiviert wird die Zentralisierung vorangetrieben. Der Protest der Elternschaft in Wald und Sauldorf muss Hoffnung und Ansporn für alle sein, die aktiv über ihr Leben und die Zukunft ihrer Kinder auf dem Land mitreden wollen.


 
 

Siegfried Volk, Südkurier Pfullendorf, 26.06.2008

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