> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 20. Mai 2008
 

Er war in Rengetsweiler für alle da

Anton Liehners Tod trifft Bürger - 29 Jahre als Ortsvorsteher aktiv - Ehrenvorsitzender der Musikanten

Rengetsweiler - Anton Liehner ist tot. Als diese Kunde am Sonntagfrüh durch den Meßkircher Ortsteil Rengetsweiler ging, war der Großteil der Einwohner sprachlos angesichts dieser traurigen Botschaft, die besonders die Verantwortlichen des 40. Waldfests hart traf. Denn der Verstorbene war einer der Initiatoren, die dieses Fest aus kleinsten Anfängen zur heutigen Größe brachten. Unter seiner Regie fand 1968 das erste Waldfest in der alten Kiesgrube statt.

Anton Liehner, dessen Vater aus dem Krieg nicht mehr zurückkam, musste schon als Schuljunge mithelfen, zusammen mit seiner Mutter und seiner Schwester das landwirtschaftliche Anwesen mit 12 Hektar zu betreiben. Für den nun mit 66 Jahren verstorbenen Anton Liehner war es eine harte Zeit. In seiner Ehefrau Margret, geborene Eberhard, die aus dem Ostracher Ortsteil Einhart stammt und die er 1966 geheiratet hatte, fand er eine große Stütze für Haus und Hof. Aus der gemeinsamen Ehe gingen vier Kinder hervor - drei Töchter und ein Sohn. Der Verstorbene war als Holzfacharbeiter mehr als 45 Jahre in den fürstlichen Wäldern tätig.

Das Engagement, das Anton Liehner immer für sein Heimatdorf zeigte, kann als vorbildlich bezeichnet werden. Als 27-Jähriger wurde er 1968 in den Gemeinderat der damals noch selbständigen Gemeinde Rengetsweiler gewählt. Mit der Eingemeindung 1975 nach Meßkirch wurde Anton Liehner zum Ortsvorsteher gewählt. Dieses Ehrenamt, das er mit großer Leidenschaft ausfüllte, hatte er 29 Jahre lang, bis zum Jahr 2004, inne. Neben der Eingemeindung und der damals laufenden Flurbereinigung, musste er sich um den Hallen-Neubau in Rengetsweiler und den Umbau des alten Schulhauses kümmern.

Ein besonderes Anliegen war Liehner immer, dass die Infrastruktur des Dorfes bewahrt bleibt, was ihm mit dem Erhalt der Grundschule und des Kindergartens gelungen ist. Auch Projekte wie die Teilnahme an dem Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" gehen auf Anton Liehner zurück.

Neben der Kommunalpolitik hatte er ein großes Hobby: Blasmusik bei den 

Anton Liehner war lange Jahre Ortsvorsteher und prägte das Geschehen der Rengetsweiler Musikanten mit.

Rengetsweiler Musikanten. Seine Verdienste stehen nicht nur bei den Musikern in hohem Ansehen, auch der Blasmusikverband Baden-Württemberg würdigte sein Engagement im Verein mit der silbernen und der goldenen Fördermedaille. Als Flügelhornist gehörte er mehr als 40 Jahre der Rengetsweiler Musikkapelle an. Zusätzlich hatte er noch 12 Jahre das Ehrenamt des Kassierers und einige Jahre das des stellvertretenden Vorsitzenden inne. Von 1984 bis 2000 war er mehr als 16 Jahre Vorsitzender. Die Rengetsweiler Musiker waren in dieser Zeit auch als reines Tanzorchester von Lindau bis Stuttgart aktiv und machten sich dabei einen Namen. Nach seiner aktiven Musiker-Laufbahn im Jahre 2003 wurde Anton Liehner zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Anton Liehner war in Rengetsweiler für alle da. Er war ein leutseliger Mann, dem fast nichts zuviel oder unmöglich schien. Noch am Mittwochnachmittag interessierte er sich beim Festaufbau für das Waldfest - einige Stunden später musste er ins Krankenhaus eingeliefert werden. Doch der Lebenswille, der Anton Liehner in seinem ganzen Leben zeigte, wurde durch den plötzlichen Tod gebrochen.

Am Freitag, 23. Mai, wird er seine Ruhestätte auf dem heimischen Friedhof finden, viele Trauergäste werden ihm das letzte Geleit geben.


 
 

KARL MÄGERLE, Südkurier Meßkirch, 20.05.2008

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