> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 26. Februar 2008
 

Hier haben die Kinder Spaß am Lernen

SÜDKURIER-Serie über städtische und kirchliche Kindergärten

In einer kleinen Serie stellen wir zurzeit die Profile der städtischen und der kirchlichen Kindergärten in der Stadt Meßkirch und den Ortsteilen vor. Heute geht es um den kommunalen Kindergarten im Ortsteil Rengetsweiler.

Der kommunale Kindergarten "Sterntaler" in Rengetsweiler bietet von allen Kindergärten, die zur Stadt Meßkirch gehören, das großzügigste Raumangebot. Das resultiert aus den Zeiten, als er ein größeres Einzugsgebiet hatte. Heute kommen die Kinder neben Rengetsweiler aus Ringgenbach, Dietershofen und Buffenhofen. Die Kinder, die mit dem Bus abgeholt werden, empfängt eine Erzieherin an der Haltestelle und bringt sie auch wieder dorthin zurück.

Wenn sie im Kindergarten ankommen, geben die Kleinen ihren Erzieherinnen zur Begrüßung die Hand. "Das gehört zu unserem täglichen Ritual, genauso wie die Verabschiedung per Handschlag", sagt Margit Krumbholz, Leiterin des Kindergartens. "Zum einen bringen wir den Kindern auf diese Weise höfliche Umgangsformen bei, und zum anderen wissen wir bei der Verabschiedung immer genau, welches Kind abgeholt wird." Während sich die Eltern im Eingangsbereich noch bei einer Tasse Kaffee zum morgendlichen Plausch treffen, sausen ihre Kleinen in die verschiedensten Ecken davon.

Rein rechnerisch gibt es im Kindergarten "Sterntaler" 1,5 Gruppen, wobei die Kinder in zwei ungefähr gleich große Einheiten aufgeteilt sind. Die Gruppen spielen jedoch nur bei pädagogischen Aktivitäten, Geburtstagen oder besonderen Aktionen wie Ausflügen eine Rolle. Ansonsten gilt das Prinzip der "offenen Gruppe", wo jedem Kind alle Türen aufstehen. In den beiden großen, hellen Räumen sind Funktionsecken eingerichtet: In einer Ecke gibt es Baumaterial, in einer anderen Mal- und Zeichenutensilien, und wieder in einer anderen einen Kaufladen und Puppen. Die Kinder können sich frei entscheiden, womit sie spielen wollen.

Trotz offener Gruppen fördern die Erzieherinnen die Kinder auch altersgerecht. Die Vorschüler beispielsweise erhalten besondere Aufgaben, die sie innerhalb von einer Woche bearbeiten müssen. Sie entscheiden selbst, wann sie ihre Aufgabe erledigen - damit wird das selbstständige Arbeiten unterstützt, das später in der Schule eine wichtige Grundlage für den Lernerfolg ist. Klemmt eine Wäscheklammer mit dem Namen des Kindes an seinem Fach, kann jeder sehen, dass es sein Wochenpensum beendet hat.

Anstehende Projekte besprechen die Erzieherinnen mit den Kindern so, dass deren Interessen mit berücksichtigt werden können. Denn wenn ihre Neugier erst einmal geweckt ist, lernen die Kinder wie von alleine. "Wir wollen den Kindern kein Thema aufdrücken, nur weil es uns gefällt oder weil 

Spaß und Lernen unter einem Dach: Neben Funktionsecken mit Baumaterial oder Mal- und Zeichenutensilien gibt es auch viele Spielmöglichkeiten im städtischen Kindergarten in Rengetsweiler.
Bild: Michelberger

es der Jahresrhythmus vorgibt", erklärt die Leiterin. "Wir wollen das aufgreifen, was die Kinder gerade bewegt." Aus diesem Grunde sei es deshalb auch möglich, dass eine  kleine Gruppe von Kindern vom Jahresplan abweicht, um ein besonderes Thema zu bearbeiten.

Der Kindergarten "Sterntaler" pflegt eine ausgiebige Kooperation mit der Nachbarschafts-Grundschule Rengetsweiler. Bis die Großen in die Schule kommen, kennen sie die Lehrer sowie die Räumlichkeiten der Grundschule und wissen, was sie erwartet.

Die älteren Kinder lernen Verschiedenes rund um Zahlen - ein Vorgriff auf den Mathe-Unterricht. Eine Erzieherin ist speziell für dieses "Zahlenland" geschult. Anhand von Geschichten und Spielen im Zahlenbereich von eins bis zwanzig erhalten die Fünf- bis Sechsjährigen ein Gefühl für Mengen. Gleichzeitig können die Erzieherinnen die Kinder beim Lösen von Problemen beobachten. Das ist wichtig, da das Dokumentieren von Entwicklungsschritten ein zentrales Element des neuen Orientierungsplans darstellt. "Vieles, was der neue Leitfaden vorgibt, haben wir schon vorher berücksichtigt", erläutert Margit Krumbholz. "Doch nun hat die Beobachtung mehr Struktur bekommen und soll später auch von den Schulen fortgeführt werden", so die Leiterin des "Sterntaler".

Gerade jetzt startete der Kindergarten ein neues Projekt mit den Großen, das ihnen die Naturwissenschaften näher bringen soll. Beim "Forschen mit Fred" führen die Erzieherinnen gemeinsam mit den Kindern Experimente durch, die physikalische Gesetze anschaulich machen sollen. "Im Vergleich zu den 90er-Jahren kann man feststellen, dass die Eltern den Eintritt ihrer Kinder in den Kindergarten nicht mehr herauszögern", konstatiert Margit Krumbholz. Das liege auch daran, dass der Kindergarten mittlerweile als Bildungseinrichtung wahrgenommen und auch anerkannt werde.


 
 

ISABELL MICHELBERGER, Südkurier Meßkirch, 26.02.2008

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