> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 12. Juni 2008
 

Kleine Erfinder mit vielen Ideen

Projekt "Spielzeugfreier Kindergarten" in Rengetsweiler 

"Spielzeugfreier Kindergarten" heißt das zehnwöchige Projekt, das im Rengetsweiler Kindergarten derzeit stattfindet. Die Kinder müssen in dieser Zeit auf Spielzeug und Spielangebote von Erwachsenen verzichten. Die Erzieherinnen halten sich bewusst zurück und die Kinder entwickeln auf sich allein gestellt eigene Spiel-Ideen mit wenigen Hilfsmitteln. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Rengetsweiler - Eine ganz besondere Spiel-Atmosphäre herrscht im Kindergarten Sterntaler in Rengetsweiler: Anstatt mit Tischspielen, Legosteinen und Bauklötzen zu spielen, lassen die Kinder ihrer Phantasie freien Lauf und experimentieren mit Kartons, Decken, Steinen, Holzstücken und Stoffballen.

"Die Kinder erfinden immer wieder neue Spiele und entwickeln ihre Ideen weiter," beobachtete Leiterin Margit Krumbholz. Anfang Mai hatte für das Erzieherinnen- Team und die 34 Kinder das Projekt "Spielzeugfreier Kindergarten" begonnen. Nach und nach wurde das Spielzeug in den Keller geräumt. Nun lag es an den Drei- bis Sechsjährigen ihren Ideenreichtum umzusetzen.

"Als Einstieg haben wir das Thema Afrika gewählt. Wir haben den Kindern anhand von Bildern gezeigt, wie afrikanische Mädchen und Jungen leben und spielen", sagte Krumbholz. "Die sind ja gar nicht so arm. Die machen so tolle Sachen", war der Kommentar der Rengetsweiler Kinder, als sie sahen, wie afrikanische Kinder mit Stecken, Steinen und Sand neue Spiele erfanden. Mit diesen Bildern im Hinterkopf machten sie sich daran, die eigenen Ideen umzusetzen: Sie bauen flotte Flitzer oder ganze Häuserreihen aus Pappkartons. Die Plastik-Becher aus der Kindergarten-Küche stapeln sie zu turmhohen Gebilden auf, um sie dann mit dem selbstgebauten Ball aus Stoffresten umzuwerfen. "Eines der Kinder hat spontan die Socken ausgezogen und damit ein Puppenspiel aufgeführt."

"Spielzeugfrei" ist der Rengetsweiler Kindergarten momentan. Den Kindern fällt es aber nicht schwer, wie hier beim Spiel mit den gepolsterten Bauelementen, Phantasie und Ideenreichtum miteinander umzusetzen. 
Bild: Bücheler

Auch für die Erzieherinnen bedeuten die insgesamt zehn Wochen ohne Spielzeug  "eine große Umstellung". Sie überwachen das Spiel der Kinder und sind zur Stelle, wenn irgend etwas passiert. Außerdem helfen sie den Kindern bei der Suche nach den Materialien. Ansonsten halten sie sich aber zurück. "Es fällt schon schwer, nicht sofort zu helfen, wenn beispielsweise ein Papp-Haus zum vierten und fünften Mal umfällt, weil es zu instabil ist. Aber die Kinder sollen solche Probleme selbst lösen." Die Kinder lernen so sich gegenseitig zu helfen, neue Stärken wie Geschicklichkeit und Ideenreichtum zu erkennen und einfach lösungsorientierter zu agieren. Dies zeige auch der "erhöhte Lärmpegel" seit Beginn des Projekts. "Die Kinder reden viel mehr miteinander. Überrascht hat mich, dass die Großen sich auch von Ideen der Kleineren begeistern lassen. Es kommt durchaus vor, dass ein dreijähriger Knirps plötzlich Chef von zwei Sechsjährigen ist."

Noch bis Mitte Juli ist der Kindergarten "spielzeugfrei" und fantasieorientiert. Danach wird aber nicht alles Spielzeug wieder aus dem Keller geholt, denn: "Wir wollen, dass die Schränke nicht mehr so voll sind, damit es für die Kinder überschaubarer bleibt."


 
 

ELENA BÜCHELER, Südkurier Meßkirch, 12.06.2008

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