> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 29. April 2008
 

Verständnis fördern zwischen Partnern

Erzieherinnen erfahren weiteren Baustein des neuen Orientierungsplans - Dritte Runde des Projekts

Die Weiterbildung für die Erzieherinnen und Leiterinnen der zur Stadt Meßkirch gehörenden Kindergärten sowie der Krauchenwieser Einrichtung ist nun in die dritte Runde gegangen. Der Baustein für den neuen Orientierungsplan beinhaltet vor allem die Kooperation mit den Eltern, der Schule und den weiteren Partnern.

Meßkirch/Krauchenwies - Zu diesen zählen nicht nur die Institutionen, die fachlich eng mit den Kindergärten zusammenarbeiten, wie beispielsweise Logopäden und Frühförderstellen, sondern Einrichtungen, von denen Kinder Alltag lernen können, wie Polizei, Ärzte oder Altenheime.

Die Referentin Martina Sodeikat aus Biberach unterwies die Erzieherinnen in der Technik der Gesprächsführung nach systemischem Ansatz. Dieser geht davon aus, dass der Kindergarten mit seinen Verantwortlichen ein System bildet und die Familie ein eigenes System darstellt. Die Kinder bewegen sich somit in zwei unterschiedlichen Systemen. Da ein solches von außen nicht direkt änderbar ist, sondern nur durch verständliche Anregungen beeinflusst werden kann, müssen die Mitglieder der beiden Systeme sinnvoll miteinander kooperieren, um den Kindern die größtmögliche Unterstützung zukommen zu lassen.

Spannende Erfahrungen erlebten die Erzieherinnen, indem sie die Haltung nach dem transaktionsanalytischen Ansatz selbst ausprobierten. Dies bedeutet, dass man bei einem Gespräch grundsätzlich eine positive innere Haltung gegenüber dem Gesprächspartner einnehmen sollte. Man müsse sein Gegenüber annehmen und akzeptieren mit all seinen Stärken und Schwächen. Auf diese Weise spüre derjenige, dass er und seine Meinung wertgeschätzt werden, unabhängig davon, ob eine inhaltliche Übereinstimmung besteht oder nicht. Um eine andere Meinung akzeptieren zu lernen, sei es wichtig, einen Perspektivwechsel durchzuführen und ein Problem von verschiedenen Seiten zu betrachten sowie zu einem negativen Aspekt die positiven Elemente zu suchen.

Wie dies funktionieren kann, probierte Martina Sodeikat mit den Erzieherinnen aus. Jede musste sich eine Eigenschaft überlegen, die ihr bei sich selbst nicht gefällt, und diese aussprechen. Die anderen durften dann die positiven Seiten an dieser subjektiv wahrgenommenen Schwäche nennen. Dies bedeutet auch umgekehrt, dass man sich bei negativer Kritik nicht vor den Kopf gestoßen fühlen sollte, sondern  dass man den positiven Aspekt der Aussage suchen solle.

Begeistert von der Fortbildung (von links): Sabine Fritz, Leiterin der städtischen Kindergärten in Meßkirch, Martina Sodeikat, Referentin, und Margit Krumbholz, Leiterin des Rengetsweiler Kindergartens.
Bild: Michelberger 

Diese Form der Gesprächsführung dient dazu, den Elternkontakt zu intensivieren und gegenseitiges Verständnis zu erzeugen. Eltern sollten sich auf alle Fälle mit ihrer Meinung und Anregung willkommen fühlen.

Bei der Fortbildung nahmen auch Kooperationslehrer der verschiedenen Grundschulen teil. "Man merkt, dass ein großer Bedarf an Erfahrungsaustausch besteht", beobachtete Martina Sodeikat. "Nicht nur die Erzieherinnen, sondern auch die Kooperationslehrer haben das Bedürfnis, sich miteinander auszutauschen."

Bei einer solchen Fortbildung werden viele Ideen angestoßen. "Gerade der Gesprächsbereich wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Aus diesem Grunde müssen wir alle genau überdenken, wo wir Ressourcen einsparen können", erklärt Margit Krumbholz vom Kindergarten Rengetsweiler. Und ihre Meßkircher Kollegin Sabine Fritz ergänzt: "Unter Umständen müssen wir auch die traditionellen Aktionen hinterfragen, wie beispielsweise das Basteln von Osternestchen oder Martinslaternen." Es sei eventuell gar nicht nötig, diese jährlich durchzuführen. Man könne auch Elternteile einbinden, denen es Spaß macht, mit den Kindern zu basteln, um somit sowohl Zeit für die Erzieherinnen zu sparen als auch die Gemeinschaft mit den Eltern zu stärken.

 


 
 

Isabell Michelberger, Südkurier Meßkirch, 29.04.2008

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