> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 12. Juni 2008
 

Nachtwächter in Möhringen noch aktiv

Ausflug der Rengetsweiler Jedermanns-Turner - Einblick in die Geschichte und amüsante Anekdoten

Rengetsweiler - Einen Ausflug zu nächtlicher Stunde veranstalteten die Jedermanns-Turner des Sportvereins Rengetsweiler unter der Leitung von Josef Neff. 32 Männer und Frauen machten sich an einem kühlen Samstagabend mit dem Bus ins 40 Kilometer entfernte badische Möhringen auf, um bei einer "Nachtwächter-Führung" durchs "Dorf" teilzunehmen.

Gegen 21 Uhr kamen zwei original gekleidete Nachtwächter, ausgestattet mit Hellebarde und Laterne, um die Ausflügler innerhalb von zwei Stunden durch den historischen Ortskern zu führen. Dabei erfuhren die Interessierten so manch' Geschichtliches, aber auch viel Amüsantes. Bei jedem Halt wurde mit Gesang eine neue Stunde eingeläutet und man fühlte sich zurückversetzt in die "gute alte Zeit". So lagerte man früher in einem tief gelegenen Brauereikeller Eis, das im Winter aus der Donau herausgeschlagen wurde. In Erinnerung daran lud man die Besucher zu einem eiskalten Bier ein.

Frisch gestärkt machten sich die Jedermanns-Turner auf, um für die nächsten "Abenteuer" gut gerüstet zu sein. Lungernde Bettler vor dem Kirchenportal mussten genauso vertrieben werden wie die so genannten Hübschlerinnen, die hinter der Dorfkirche um männliche Kundschaft warben. Auch die tratschigen Waschweiber wurden zurechtgewiesen, weil sie ihre Kleidung verbotenerweise an einem der vielen Dorfbrunnen reinigten. Saufbrüder wurden nach Hause geschickt oder in die Arrestzelle gesteckt, wenn sie das ganze Geld verspielt 

Gerne hörten die Ausflugsteilnehmer der Rengetsweiler Jedermanns-Turner den amüsanten Ausführungen des Nachtwächters zu, als dieser im ehemaligen Brauereikeller erzählte, wie hier früher Eis gelagert wurde. 
Bild: Löffler 

hatten. So waren die Nachtwächter bis  1909 in Möhringen aktiv - in der Funktion als Gendarm, Feuermelder und Sittenwächter.

Peter Hofmann, ein ehemaliger Jedermann-Turner, der alljährlich von seinen früheren Kameraden mit dem Fahrrad besucht wird, hatte die Nachtwächterwanderung in Möhringen gebucht. Zur Freude aller wurde er zum Schluss gepackt und an einen Pranger am Rathaus gestellt. Bei kleinen Straftaten kam dieser früher zum Einsatz und der Spott des Volkes war dem Angeprangerten gewiss, schließlich diente er gleichzeitig zur Abschreckung. In diesem Fall war es jedoch zur Belustigung der nächtlichen Teilnehmer, die froh waren, selbst nicht betroffen zu sein.


 
 

Ulrike Löffler, Südkurier Meßkirch, 12.06.2008

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