> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 15. Juli 2008
 

Liebe in der Nachbarschaft gefunden

Maria und Johann Böhler aus Rengetsweiler feiern heute ihre diamantene Hochzeit nach 60 Ehejahren

Rengetsweiler - In der gemütlichen Stube des Bauernhofs von Maria und Johann Böhler in Rengetsweiler ist es an diesem nasskalten Sonntagmorgen mollig warm. Etliche Erinnerungen an ihre Jugend und das 60-jährige Eheleben werden bei den immer noch rührigen Bauersleuten wach, als sie anfangen, davon zu erzählen. Die Hochzeit, die am 15. Juli 1948 gefeiert wurde, war mit einigen Hindernissen gepflastert. So wurde am 20. Juni 1948 die neue Währung eingeführt, jeder Einwohner erhielt 40 Mark "Kopfgeld" ausgehändigt. Trotz Schlachtverbot der französischen Besatzung wurden ein Schwein und ein Kalb zur Hochzeitsfeier geschlachtet und verarbeitet, damit die Gäste im "Frieden" in Rengetsweiler etwas zu essen hatten. Lettische Holzarbeiter aus Göggingen stellten für das Fest Wein zur Verfügung, dafür bekamen sie im Tausch Kartoffeln von Johann Böhler.

In unmittelbarer Nachbarschaft wuchsen die beiden Jubilare in Rengetsweiler miteinander auf; Johann Böhler, der im Dezember 1921 das Licht der Welt erblickte, und Maria Schmid, die wenige Wochen später, im Januar 1922, zur Welt kam. Maria Schmids Vater starb in jungen Jahren an einer Lungenentzündung, so dass sie zusammen mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester und ihrer Mutter den Hof bis zur Heirat mit Johann Böhler allein umtrieben.

Es war eine schwere Zeit. Die Hälfte der Felder musste verpachtet werden, da die drei Frauen nicht alles bewältigen konnten. Nach dem Besuch der Volksschule war Maria Böhler einen Winter lang in der Krankenhausküche in Stockach tätig, doch ihre Hilfe war im elterlichen Haus mehr gefragt. Eine erfreuliche Abwechslung fand sie im Gesang, den sie in jungen Jahren begeistert im Kirchenchor Dietershofen/Rengetsweiler ausübte.

Johann Böhler besuchte nach der Volksschule zwei Winterhalbjahre die Landwirtschaftsschule in Sigmaringen. 1940 wurde er im Alter von 19 Jahren zum Bodenpersonal der Luftwaffe an die Ostsee eingeteilt. Nach fünf Jahren Kriegsdienst und einem halben Jahr kanadischer Gefangenschaft kehrte er Weihnachten 

60 Jahre miteinander durch dick und dünn - so können sich heute die Eheleute Maria und Johann Böhler über die diamantene Hochzeit freuen.
Bild: Löffler 

1945 in die Heimat zurück, wo auf dem elterlichen Hof viel Arbeit wartete.

Nach ihrer Heirat übernahmen die jungen Leute die Landwirtschaft der  Schwiegermutter, drei Kinder zog das Paar miteinander auf. Im Nebenerwerb war Johann Böhler lange Jahre als Holzrücker im Gemeinde- und fürstlichen Wald tätig und bis heute ist er Waagmeister der Gemeindewaagen von Rengetsweiler. 19 Jahre lang war er im Gemeinderat in der damals noch selbstständigen Gemeinde tätig, in diese Zeit fielen der Feldwegebau, die Kanalisation mit Bau der Kläranlage und der Neubau der Rengetsweiler Kirche.

Die große Leidenschaft des Johann Böhler ist das Singen. So wurde 1950 der Gesangverein "Liederkranz Rengetsweiler/Dietershofen" gegründet und Johann Böhler zog 19 Jahre lang als Vorsitzender die Fäden. Auch in den Reihen des Kirchenchors findet man den Tenorsänger immer noch bei jedem festlichen Auftritt.

Mit offiziellen Glückwünschen, die die Ortsvorsteherin Uli Böhler heute überbringt, wird das seltene Ehejubiläum von Maria und Johann Böhler im kleinen Kreis gefeiert. Ein Fest mit der ganzen Familie erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt, denn außer den drei Kindern gratulieren noch zwei Enkel und ein Urenkel zur diamantenen Hochzeit.

 


 
 

Ulrike Löffler, Südkurier Meßkirch, 15.07.2008

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