> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 14. Juni 2007
 

"Es gibt keine Walder Alleingänge"

Interview mit Bürgermeister Müller zur Schulsituation

Wald (fah) Die Diskussion um die Bestandsicherheit von Hauptschulen im ländlichen Raum sorgt in kleineren Kommunen für viel Gesprächsstoff, auch in Wald. Bürgermeister Werner Müller spricht über die Zukunft der Schule.

Herr Müller, "Nachbarschaft" steht bei den Schulen von Aach-Linz, Wald und Rengetsweiler ganz oben, sie ist vorrangiger Teil der Namensbezeichnung und steht für Schulen, die Schüler haben, die über die normalen Schulbezirke hinausgehen. Wird diese Nähe auch in Zukunft so bleiben?

Die Entstehung der beiden Nachbarschaftsgrundschulen in Aach-Linz und Rengetsweiler, sowie der Nachbarschaftshauptschule in Wald war eine kluge historische Leistung im Zusammenhang mit der Schulreform und der nachfolgenden Gemeindereform Anfang der 70er Jahre. Diese Lösung hat sich bewährt und tut dem Zusammenwachsen der Raumschaft gut. Abgesehen davon, dass auch wir in Wald davon ausgehen, dass bestehende Verträge eingehalten werden, sind Veränderungen in diesem Bereich derzeit nicht angedacht.

Knapp 100 Rektoren und Lehrer aus den Landkreisen Ravensburg und Bodensee haben in einem Brief an Kultusminister Helmut Rau das dreigliedrige Schulsystem in Frage gestellt und die Abschaffung der Hauptschule gefordert. Wie laut klingeln da bei Ihnen die Alarmglocken, wenn Sie an einen zeitgemäßen Fortbestand der Walder Schule denken?

Der Fortbestand des dreigliedrigen Schulsystems, der ja auch von anderer Seite immer wieder in Frage gestellt wird (man denke nur an die Pisa-Studie) wird schul-politisch und damit ganz bestimmt nicht in der Gemeinde Wald entschieden werden müssen.

Als Mitte der 1960er Jahre in Wald die Hauptschule gebaut wurde, da sahen sich die Politiker im Land und im Kreis von ihren Wählern in harten Auseinandersetzungen gezwungen, dass nicht alle Volksschulen dicht gemacht wurden. Aach-Linz und Rengetsweiler wurden Standorte für Grundschulen, die Wald seither mit Schülern versorgen. Nachdem alles an Schülerzahlen hängt, wie sehen ihre Überlegungen für eine sichere Hauptschule Wald aus?

Derzeit ist die Walder Schule mit 141 Schülern weit davon entfernt, auch nur ansatzweise gefährdet zu sein. Die Zukunft wird den Schulen gehören, die das attraktivste Angebot haben - sowohl in schulischer, wie auch in betreuungstechnischer Hinsicht. Wir denken deshalb an Kooperationen mit benachbarten Schulen, um ein umfassendes Angebot anbieten zu können, machen uns Gedanken über neue und erweiterte Betreuungsformen (so soll es im neuen Schuljahr erstmals das Angebot eines Mittagessens in der Schule geben) und investieren auch weiter kräftig in die Ausstattung der Schule - zum Beispiel haben wir in diesem Frühjahr eine neue EDV-Ausstattung für rund 30000 Euro installiert.

Bürgermeister Werner Müller als Türöffner für alle Walder Bürger.
Bild: Hahn 

Vor 30 Jahren zählte die Walder Hautschule dank geburtenstarker  Jahrgänge und vieler Übergänge von den Grundschulen mehr als 450 Schüler, vor zehn Jahren waren es schon weniger Schüler und die Zahlen sinken weiter,  wohl aber nicht soweit, dass die Walder Schule in ihrer Existenz gefährdet ist. Lässt Sie das zufrieden zurücklehnen?

Die Hauptschule verliert an Attraktivität, das ist unbestritten. Dies hat aber hauptsächlich gesellschaftspolitische Gründe - die Aufwertung der Hauptschule ist eine Aufgabe, die nicht allein von kommunaler Seite erledigt werden kann - da müssen alle gesellschaftlichen Kräfte mithelfen, auch die Berufs- und Ausbildungsverantwortlichen.

Auch wenn Hauptschulen nicht mehr den Stellenwert früherer Zeiten haben, 

 könnte der Kampf um den Bestand erneut zum Politikum werden, bei dem es auch um Sein oder Nichtsein eines Bürgermeisters gehen kann. Welche Schritte zum dörflichen Frieden kann da ein Bürgermeister einleiten?

Es geht darum, dass allgemeine Akzeptanz für zu treffende Entscheidungen gefunden wird. Dies gelingt, wenn die Entscheidungsträger sich bemühen, die Gründe für ihr Handeln nachvollziehbar und transparent offen zu legen.

Es wird keine Alleingänge von Walder Seite geben. Sollten Veränderungen notwendig werden, werden sich alle Beteiligten zusammensetzen, um eine für alle Seiten tragfähige Lösung zu finden, die vor allem eine Maxime haben muss: das Wohl unserer Kinder - denn darum muss es gehen, nicht um Befindlichkeiten Einzelner.

Über Schulstandorte wird letztlich in Stuttgart entschieden. Welche Einflussmöglichkeiten, Mittel und Möglichkeiten bleiben da bei einer Gemeinde zurück?

Schulträger sind die Kommunen, die deshalb schon Einflussmöglichkeiten haben. Aber eine Schule funktioniert nun mal nur, wenn auch die Lehrerausstattung vorhanden ist, und da kommen die staatlichen Schulbehörden mit ins Spiel. Deshalb auch hier - es kann nur im Einvernehmen und gemeinsamen Gespräch mit allen Beteiligten funktionieren - wir sind daher auch mit dem Schulamt im ständigen Gespräch, was die angestrebten Kooperationen anbelangt.

Fragen von Falko Hahn


 
 

FALKO HAHN, Südkurier Meßkirch, 14.06.2007

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