> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 30. Mai 2007
 

Ein Almanach der Ortsgeschichte

Meßkircher Heimathefte zum 14. Mal erschienen

Meßkirch - Das Jahr 2006 war in vielfacher Hinsicht für die Region "gedenkwürdig". Es jährte sich die Mediatisierung des Fürstentums Fürstenberg zum 200. Mal, was einst den Übergang Meßkirchs an das Großherzogtum Baden nach sich gezogen hatte. Der aus Meßkirch stammende Religionsphilosoph Professor Dr. Bernhard Welte hätte in diesem Jahr seinen 100.Geburtstag feiern können und der Ortsteil Rengetsweiler feierte 750. Geburtstag.

Die 14. Meßkircher Heimathefte dokumentieren in bewährter Weise, was es an historischen Forschungen zu Personen oder Orten in der Meßkircher Region im Jahr 2006 gab. Im 220Seiten starken Buch sind unter anderem Vorträge abgedruckt, die in Meßkirch gehalten wurden, wie beispielsweise Holger Zaborowskis Studie zum Glauben und Denken Bernhard Weltes. Darin beschreibt der Autor Weltes Anspruch, "das überlieferte Wissen und den Kern des christlichen Glaubens ins Heute hinein zu vermitteln und zu übersetzen". Er habe nicht im Sinn gehabt, den Katholizismus als verstaubte Religion ad acta zu legen, sondern es sei ihm stets darum gegangen, deren traditionelle Werte den Anforderungen der Gegenwart anzupassen. Von sich und anderen forderte er gewissenhaftes Nachdenken, denn man könne einem Denker nur gerecht werden, "indem wir ihm mit unseren eigenen Fragen in seinem Denken folgen und nicht einfach nur zusammenfassen, was einmal gesagt wurde."

Reinhard Haupenthal widmete sich dem Prälat Johann Martin Schleyer (1831 - 1912), der fünf Jahre lang (1862 - 1867) in Meßkirch tätig war, bevor er seine erste eigene Pfarrei in Krumbach übernahm. Schleyer, ein interessierter und weltoffener Mensch, habe keine Gelegenheit ausgelassen, "seine sprachlichen Kenntnisse zu bereichern". Die Idee von einer gleichberechtigten Völkerverständigung veranlasste Schleyer dazu, eine internationale Sprache, die Plansprache Volapük, zu entwickeln. Haupenthal beschreibt, welche Ideen hinter der Weltsprache steckten und was letztlich doch zu ihrem Scheitern führte.

Wie Martin Heidegger zu seiner Heimat stand, erläutert Armin Heim. Er geht darin auf den Heimatbegriff des Philosophen ein sowie auf dessen Ablehnung des Urbanen. Diese Stadtfeindlichkeit habe einige Interpreten dazu verleitet, dies als Heideggers Charakterdefizit 

zu betrachten, welches durch seine Herkunft zu begründen sei. Anhand seiner Rolle als Festredner in Meßkirch zeigt Heim, welches Heimatverständnis seiner Meinung nach Heidegger tatsächlich zugrunde lag.

Der Philosoph Alfred Denker, der das Heidegger-Archiv in Meßkirch betreut, geht dem Gedanken nach dem Phänomen der Befindlichkeit des Daseins bei Heidegger nach. Hierzu interpretiert er die Paragraphen 40 und 68b aus "Sein und Zeit", dem Hauptwerk Heideggers.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer interessanter Beiträge beispielsweise zu Georg Wilhelm Graesner, einem geheimnisvollen Barockmaler aus Meßkirch, der Mitte des 17.Jahrhunderts gewirkt haben muss. Man erfährt etwas über den Rottenburger Pfarrvikar Paul Mier, der aus Meßkirch stammte und der einigen Meßkirchern durch finanzielle Unterstützung ein Theologie-Stipendium ermöglichte. Es gibt etwas zu lesen über Meßkirchs Geschichte als badische Bezirksamtsstadt und ebenso über den Naturdichter Anton Schlude (1808 - 1865), über Geschichten aus dem Meßkircher "Graben", der 750-jährigen Geschichte Rengetsweilers sowie über Zeitungsartikel aus dem Jahr 1906, einem wichtigen Jahr in der Meßkircher Zeitungsgeschichte. Damals schrieb Ritter Kuno seine ersten Glossen. Wer sich hinter ihm verbarg und auf welche Weise er Meßkircher Vorkommisse aufgriff, deckt Werner Fischer auf.

Die Meßkircher Heimathefte sind zu einer wichtigen Instanz geworden, in denen Geschichte und Kultur der Gegend festgehalten werden, sei es in unterhaltenden Erläuterungen von Personen und Geschehnissen, philosophischen Exkursen oder historischen Anekdoten.

Nicht zuletzt finden sich dort die Aktivitäten der Museumsgesellschaft aufgelistet. Durch die unterschiedlichsten Forschungsgegenstände ist die Lektüre stets abwechslungsreich und darüber hinaus eignet sich das Kompendium als Sammelobjekt auch zum gelegentlichen Nachschlagen.


 
 

ISABELL MICHELBERGER, Südkurier Meßkirch, 30.05.2007

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