> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 11. Juli 2006
 

Freundschaft zwischen Mensch und Tier unterm Regenbogen

Theater-Arbeitsgemeinschaft der Nachbarschaftsgrundschule zeigt neueste Aufführung

Rengetsweiler - In der Randenhalle von Rengetsweiler spielen seit vier Jahren kleine Schauspieler großes Theater. Am Samstag zeigte die Theater-Arbeitsgemeinschaft der Nachbarschaftsgrundschule ihre neueste Aufführung: "Wolfsbrüder", ein Theaterstück nach einem Märchen der Woodland-Indianer. Geschrieben und inszeniert wurde es von einem in Rengetsweiler gut bekannten Theatermann, Carlos Goeschel, von der freien Märchen- und Theaterschule am Bodensee (früher Dietershofen). Wunderbare Erfahrungen mache er in Rengetsweiler mit den jungen Schauspielern und deren Eltern, sagte Goeschel noch vor der 13 kurze Bilder zählenden Premiere. Eine Zweitaufführung für die Grundschüler gab es gestern.

Das Stück handelt von einer langen, aber auch von vielen schamlos ausgenutzten Freundschaften zwischen Menschen und Tieren. Es geht um das verloren gegangene Mitgefühl mit der Kreatur, aber auch um das Verstehen fremder Kulturen. Deshalb hat der Autor weit in die Entstehungsgeschichte der Erde zurückgegriffen.

Zunächst sitzen die Schauspieler vor dem Vorhang, fünf Menschenkinder und fünf Wolfsbrüder (Christian und Daniella Sellien, Marie Weber-Liel, Jasmin Penner und Nicole Renz). In der Ferne erklingt indianische Flötenmusik und sie erzählen von der Entstehung der Erde, als Menschen und Tiere noch auf dem Regenbogen saßen. Dem weißen Rat eines Tieres folgend, zogen sie die Sonne aus der kalten Nacht, zeigten ihr den Weg, den sie für immer gehen sollte. Die Welt nahm ihren Lauf vom Leben und Sterben, vom Umgang miteinander.

Das erste Bild wird ins Indianerland verlegt. Am Todeslager der Eltern (Christoph Fleisch, Katrin Penner) schwören die drei Kinder "starker Tiger" (Tom Rogers), "strahlendes Pferd" (Laura Rogers) und "kleiner Nachtfalke" (Tim Menzel) in die Hände der Eltern, dass sie immer füreinander da sind. All das hört ein still den Platz verlassendes Rudel Wölfe.

Im Märchen "Wolfsbrüder" der Theater AG Rengetsweiler verstehen sich Mensch und Tier anfangs überhaupt nicht ehe eine tiefe Freundschaft entsteht.
Bild:
Hahn

Ohne Eltern wird das Leben schwer. Gerade als die Schwester dem kleinen Bruder eine lustige Geschichte erzählt, muss sich der ältere Bruder auf die Jagd nach Essbarem aufmachen. Bald verlässt auch die Schwester den kleinen Bruder, verspricht ihm das Vermächtnis zu halten und will bald wieder kommen. Allein gelassen kommt es zum großen ersten Aufeinandertreffen von Mensch und wildem Tier, ein Schrei und alles flieht in panischer Angst. Bald sind die Wölfe wieder da, bringen dem ausgesetzten, hilflosen und hungrigen Kind einen Knochen zum Abnagen. Der "kleine Nachtfalke" wird selbst zum Wolf, heult auf allen Vieren gehend den Mond an wie seine tierischen Geschwister. Es kommt zum Kampf um die Führung des Rudels, natürlich siegt der kleine Bruder im Schutz der als Geister auftretenden Eltern.

Als der große Bruder wieder heimkehrt, trifft er auf einen verwilderten Bruder. Unter dem klagenden Geheul seiner Wolfsgeschwister will der Mensch gebliebene Anführer wieder zurück in die Welt der Menschen. Dabei hilft ihm das Publikum mit einem lautstark beispringenden Beifall.

Monatelang hatten sich die acht Kinder auf die Aufführung vorbereitet. Ihr Autor hat ihnen das Leben und die Kultur der Indianer näher gebracht, wie diese miteinander gesprochen und gegessen haben.


 
 

Falko Hahn, Südkurier Meßkirch, 11.07.2006

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