> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 08. Mai 2006
 

Hufeisen für Pferde des flüchtenden Erbprinzen

Im Juli 750-Jahr-Feier in Rengetsweiler - Einst gab's eine bedeutende Stein-Grube - Blick in die Geschichte (Teil 2)

Rengetsweiler - Mit Blick auf die 750-Jahr-Feier in Rengetsweiler, die es am 29. und 30. Juli geben wird, werfen wir in einer losen Reihe einen Blick auf die Geschichte des Meßkircher Ortsteils.

Im Revolutionsjahr 1848 beginnt ein Rengetsweiler, dessen Name heute bisher noch nicht ermittelt werden konnte, mit einer Beschreibung seines Geburtsorts. Der Verfasser hält politische Vorgänge sowie alltägliche Betrachtungen und Erfahrungen aus seiner Zeit fest und nennt sie: "Ortsbeschreibung von Rengetsweiler", mit dem Zusatz "II. Politische und bürgerliche Verhältnisse". Ein erster Teil ist nicht archiviert, dieser ist wohl verschollen. Die Schrift liegt heute im Pfarrarchiv in Dietershofen. Die auf 31 Blätter geschriebene Ortsgeschichte ist gefüllt mit kurzen und treffenden Erinnerungen.

Eröffnet werden die schriftlichen Erinnerungen mit den revolutionären Vorgängen in Sigmaringen im Jahr 1848. Unter dem Druck des bürgerlichen Aufstandes mussten der patriarchalisch regierende Fürst Friedrich Wilhelm Constantin von Hechingen wie der Sigmaringer Fürst Karl abdanken. Friedrich Wilhelm verließ 1849 sein Land, um es nie wieder zu betreten. Fürst Karl dankte im August 1848 zugunsten seines Sohnes Karl Anton ab. Der in Sigmaringen die Regierung führende Erbprinz Karl Anton, ein Vetter des Hechinger Fürsten, hatte da bereits sein Überlinger Exil beendet, war wieder in Sigmaringen und betrieb erfolgreich den Anschluss der Fürstentümer an Preußen.

Auf seinem Fluchtweg an den Bodensee musste Erbprinz Karl Anton in Rengetsweiler eine Zwangspause einlegen. Nirgendwo anders als nur hier, in dem ihm treu ergebenen Ort, konnte er seine Pferde neu beschlagen lassen. Die Hilfe sollte sich dann für Rengetsweiler auszahlen.

Viel Raum gibt der Verfasser der Rengetsweiler Dorfchronik den Abbau-Methoden in der Johann G. Kegele gehörenden Sandsteingrube, dem "Kirnberg". Er beschreibt, wie dort die Blöcke aus dem Sand- und Nagelfelsen herausgehauen werden. Der Name Kirnberg ist in Rengetsweiler längst verblasst, ist niemandem mehr geläufig.

Im stillgelegten Teil der Steingrube hatte der Braumeister Lambert einen Keller für wenigstens 3000 bis 4000 Maß Bier.

Zu der Ortsbeschreibung gehört ein Plan über das Abbaugebiet des Kirnbergs, ausgewiesen sind die Fundstätten der Sand- und Felsplatten sowie der Schichten der Meeresablagerungen mit Haifisch-Zähnen.

Sandsteine wurden 1868 zum Meßkircher Eisenbahnbau und für den Bau der Kirche von Walbertsweiler geliefert. Nach 90 Jahren waren die Sandsteine so verwittert, dass der fast 40 Meter hohe Turm der Walbertsweiler Kirche umfiel, und zwar am Volkstrauertag 1959. Seither sind die Rengetsweiler Sandsteine verschrien. Dabei ist als Ursache das Sichtmauerwerk auszumachen, eingedrungene Nässe hatte die Steine mürbe gemacht.

Sandsteine aus der Grube "Kirnberg" von Rengetsweiler wurden im 18. und 19. Jahrhundert für zahlreiche Gebäude verwendet. Durch Verwitterungseinflüsse stürzte 1959 der 40 Meter hohe Turm der Kirche von Walbertsweiler ein, 90 Jahre nach dessen Bau. 
Repro: Hahn

Das Alter des Rengetsweiler Steinbruchs reicht weit zurück. Ein weiteres prominentes Opfer der Steine zeugt davon. Im Jahr 1794 stürzte ein sechs Meter großes Stück der Außenwand einer im 11. oder 12. Jahrhundert mit eben jenen Steinen erbauten Kirche ein, was dann 1802 zu einem teilweisen Neubau führte. Diese Kirche wurde 1868 abgerissen und machte der 1959 eingestürzten Walbertsweiler Kirche Platz.

Zu der Ortsbeschreibung gehört ein Plan über das Abbaugebiet des Kirnbergs, ausgewiesen sind die Fundstätten der Sand- und Felsplatten sowie der Schichten der Meeresablagerungen mit Haifisch-Zähnen.

Sandsteine wurden 1868 zum Meßkircher Eisenbahnbau und für den Bau der Kirche von Walbertsweiler geliefert. Nach 90 Jahren waren die Sandsteine so verwittert, dass der fast 40 Meter hohe Turm der Walbertsweiler Kirche umfiel, und zwar am Volkstrauertag 1959. Seither sind die Rengetsweiler Sandsteine verschrien. Dabei ist als Ursache das Sichtmauerwerk auszumachen, eingedrungene Nässe hatte die Steine mürbe gemacht.

Das Alter des Rengetsweiler Steinbruchs reicht weit zurück. Ein weiteres prominentes Opfer der Steine zeugt davon. Im Jahr 1794 stürzte ein sechs Meter großes Stück der Außenwand einer im 11. oder 12. Jahrhundert mit eben jenen Steinen erbauten Kirche ein, was dann 1802 zu einem teilweisen Neubau führte. Diese Kirche wurde 1868 abgerissen und machte der 1959 eingestürzten Walbertsweiler Kirche Platz.

 


 
 

Falko Hahn, Südkurier Meßkirch, 08.05.2006

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