> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 23. Mai 2006
 

Pudelwohl auch ohne Tropfen

Theresia Liehner wurde 95 Jahre alt

Rengetsweiler - Die älteste Einwohnerin des Meßkircher Ortsteils Rengetsweiler, Theresia Liehner, wurde am Sonntag 95 Jahre alt. Erstaunlich ist, dass die Jubilarin weder Herztropfen noch sonstige Medikamente benötigt. Sie fühle sich einfach wohl ohne Tabletten, wie sie lachend erzählt, obwohl ihr in ihrem Leben von Kindheit an nichts geschenkt wurde und sie hart arbeiten musste.

In Otterswang ist Theresia Liehner geborene Schwelling mit zwei Geschwistern aufgewachsen. Wie es früher üblich war, musste man für den Lebensunterhalt nach dem Schulabschluss "in Stellung gehen", um den Unterhalt für sich und das Elternhaus mit zu finanzieren. Mehr als zehn Jahre war Theresia Liehner in der Landwirtschaft beziehungsweise im Haushalt tätig bis sie 1929 den Landwirt Adolf Liehner heiratete. Fünf Kinder gingen aus der Ehe hervor, wobei eine Tochter im Kindesalter verstarb. Hart hatte die Jubilarin und die junge Familie das Schicksal getroffen, als ihr Ehemann in den letzten Kriegstagen 1945 gefallen ist. So musste Theresia Liehner die ganze Verantwortung und die Arbeit in der Landwirtschaft, von der sich die Familie nach den harten Kriegsjahren ernährte, ganz alleine tragen. Mit großer Umsicht und unterstützt durch ihre Kinder meisterte die Jubilarin diese harten Jahre und die mühevolle Arbeit. Doch ihren Lebensmut hat sie nie verloren. Sie gilt in Rengetsweiler als sehr leutselig und vertrauensvoll.

Mehr als 15 Jahre lang war Theresia Liehner als Mesnerin in der Dorfkirche tätig. Und sie sagt offen, dass das Beten und der Kirchenbesuch für sie immer wichtig sei und sie daraus auch seelische Kraft schöpfen konnte. Heute noch gehört sie als Mitglied dem Sozialverband VdK an, für dessen Unterstützung sie als Kriegerwitwe heute noch sehr dankbar ist. Die Gesundheit war der Jubilarin immer schon wichtig. So war sie viele Jahre regelmäßig bei der Seniorengymnastikgruppe im Dorf, an der sie jetzt altersbedingt nicht mehr teilnimmt. Doch bei Kaffeekränzchen oder sonstigen Anlässen der Gruppe ist die Jubilarin gerne gesehen und nimmt auch entsprechende Einladungen gerne an.

Interessiert ist Theresia Liehner am Geschehen im Dorf wie in der Welt. Der SÜDKURIER ist ihr sehr wichtig. Mehrmals täglich wird er in die Hand genommen, wie die Schwiegertochter sagt. Die häuslichen Arbeiten erledigt Theresia Liehner meist noch selbst. "Ich habe schließlich Zeit dafür", sagte sie lachend. Das Geburtstagsfest wurde im Familienkreis gefeiert. Gratulieren konnten 14 Enkel und 17 Urenkel.


Karl Mägerle, Südkurier Meßkirch, 23.05.2006