> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 14. August 2006
 

Altes Kochbuch verrät Küchengeheimnisse

230 Rezepte für Stephanie Lambert aus Rengetsweiler (1873)

Rengetsweiler - Beim Stöbern nach unbekannten Vorkommnissen und Namen zu der 750-Jahr-Feier von Rengetsweiler fand sich im kirchlichen Archiv von Dietershofen die Handschrift eines Rengetsweiler Chronisten. In seinem Beschreiben taucht der Name eines Braumeisters, namens Lambert auf. Der habe im stillgelegten Teil der Steingrube einen Keller für wenigstens 3000 bis 4000 Maß Bier gehabt. Als der SÜDKURIER über den Chronisten schrieb, meldete sich ein Pfullendorfer und teilte mit, er habe 1974 bei einem Flohmarkt in Wald ein Kochbuch erworben, das 1873 von einer Stephanie Lambert aus Rengetsweiler geschrieben worden sei. Das mit 230 Rezepten gefüllte, handschriftlich geführte Kochbuch sollte sich dann als eine außergewöhnliche Fundgrube erweisen.

Der selbst sich nicht nennende und auch sonst mit Namen spärlich umgehende Zeitzeuge aus Rengetsweiler beschrieb in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Leben der bäuerlichen Welt seines Dorfes. Zum Schreiben gebracht hatten den treu zum Fürstenhaus stehenden Rengetsweiler offensichtlich die politischen Unruhen in Sigmaringen mit der Flucht des Erbprinzen und späteren Fürsten Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen nach Überlingen. Die radikalen Vorgänge in Sigmaringen müssen den aus dem Volk kommenden Mann so mitgenommen haben, dass er zu Feder, Tinte und Schreibpapier griff und mit dem Aufschreiben seiner Erkenntnisse begann. Natürlich lässt er keinen guten Faden an den Revolutionären, weder an den Badenern noch an denen aus Hohenzollern.

Das von Stephanie Lambert in neun Kapiteln eingeteilte Kochbuch beginnt mit den Suppen (26 Rezepte), Gemüse (28), Fleischspeisen (34), Fische, Geflügel, Wildpret (14), Eingemachtes, Süß & Sauer, Salate (26), Mehl- und Milch-Auflauf, Creme, Kompott (54), Schmalzgebackenes (27) und Kuchen (49). Im Anhang sind weitere 18 Rezepte eingetragen.

Wie der Chronist, gibt auch die Kochschülerin keine Auskunft über den Ort der Kochschule und über ihre Kochlehrerin. Allein die für 

Nicht nur von Hand geschrieben, sondern auch vom Einband her schön gestaltet ist das alte Kochbuch aus Wald.
Bilder:
Hahn

damalige Zeiten manchmal exotischen Beigaben und ihr familiäres Herkommen aus einem nichtbäuerlichen Haus lässt vermuten, dass der noch ledigen jungen Frau das Kochen woanders als in Rengetsweiler beigebracht worden war. Zu der Zeit wurden junge Frauen aus vermögenden Familien gerne in klösterliche Schulen in die nahe Schweiz geschickt, um sich dort auf die Führung eines eigenen Haushalts vorzubereiten.

Wie das Kochbuch nach Wald kam ist ebenso undurchsichtig wie auch der Verbleib der Familie Lambert in Rengetsweiler. Das Geschlecht der Familie Lambert ist in Rengetsweiler schon seit rund 100 Jahren nicht mehr anzutreffen. Selbst für Theresia Liehner, mit 95 Jahren die älteste Einwohnerin von Rengetsweiler, ist der Name nur noch vom Hörensagen bekannt. Bekannt ist nur noch das Wohnhaus der Lamberts.

Schriftliche Nachweise sind keine mehr aufzufinden, 1966 brannte das Rathaus von Rengetsweiler bis auf die Grundmauern nieder und mit ihm die darin lagernden Standesamtbücher. Allein im Christenlehre-Verzeichnis der Pfarrei Dietershofen von 1839 sind acht Kinder aus der Familie Lambert, darunter sieben Mädchen, die aus der Schule entlassen wurden, aufgezeichnet.


 
 

Falko Hahn, Südkurier Meßkirch, 14.08.2006

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