> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 29. Juli 2006
 

Mäher besorgt Futter für Kastendrescher

Gerstenfeld am Rande von Rengetsweiler für Schaudreschen abgeerntet

Rengetsweiler - Die Vorboten zum großen Jubiläum der 750. Wiederkehr der Erstnennung von Rengetsweiler sind unübersehbar. Das Dorffest nimmt Gestalt an. Einer der Höhepunkte des Jubiläums wird eine Ausstellung von historischen und modernen Landmaschinen und Geräten sein. Dabei wird der frühere Dreschunternehmer Hubert Kille mit seiner Kastendreschmaschine eine Schauvorführung geben, wie vor 50 Jahren das Getreide gedroschen wurde.

Dazu bedarf es jedoch auf dem Halm sitzenden und zu Garben gebundenen Getreideähren. Die sind längst aus der Mode, heute fährt der Mähdrescher über die reifen Getreidefelder, das Korn wird in einen Tank geblasen und die Halme fallen gehäckselt auf den Ackerboden. Da ist es gut zu wissen, dass es mit Eberhard Hauff in Meßkirch einen Sammler von historischen Landmaschinen gibt.

Zu seinem Museum gehört auch ein Mc-Cormick-Bindemäher. Mit dieser Maschine haben von 1952 an zwei Schnerkinger Bauern ihre Getreideernte von einem Tag auf den andern geradezu auf den Kopf gestellt. Mit dieser Maschine konnte nun auf einmal ein Hektar Getreide gemäht und als gebundene Garben abgelegt werden. Bis dahin wurde das Getreide bei schönem Wetter mit der Sense von Hand gemäht und auf den Boden gelegt, zu Hocken zusammengezogen, mit einer Antraggabel auf ein am Boden ausgelegtes Band gesetzt und zu einer Garbe gebunden.

Ein guter Mäher konnte an einem Tag einen Morgen Frucht auf den Acker legen. Auch noch zu Bindemähers Zeiten wurden die Garben mit Gabeln auf einen Leiterwagen 

gesetzt und in den Garbenstock der Bauernhäuser gebracht, um sie dann zu  einem späteren Zeitpunkt zum Ausdreschen wieder herunter zu holen.

Dann stand in der Tenne eine von einem Flachriemen angetriebene Dreschmaschine. Oben auf der Plattform des Einlegetisches nahmen zwei oder drei Personen die vom Stock heruntergeworfenen Garben auf, öffneten die Bänder und gaben das

Mit diesem 50 Jahre alten Bindemäher haben Hubert Kille und Eberhard Hauff diese Woche Gerste geerntet. Die Garben werden beim historischen Dorffest dann gedroschen.
Bilder:
Hahn

auseinandergefallene Getreide dem Einleger. Der auf der anderen Seite des Einzugschachtes kniende Einleger führte das herangereichte Getreide in gleichmäßigen Armbewegungen der Breite nach in den zu Rüttelsieben führenden Schacht. Dabei wurde die Spreu vom Korn getrennt und abgesackt.

Für ein Schaudreschen auf einer Kastendreschmaschine bedarf es des Wissens und Könnens dieser alten Erntetechniken. Für Kille und Hauff ein früh geübtes Handwerk. Der Meßkircher Bäckermeister brachte am Montagabend seinen Bindemäher zu einem in voller Reife stehendem Gerstenfeld am Rande von Rengetsweiler. Mit einer nicht viel jüngeren Zugmaschine, einem Hanomag R 22, mähte dann Hubert Kille einige Lagen des Wintergetreides.

Über ein sich im Kreis drehendes Flügelgatter wurde dabei das Erntegut transportiert und mit Bindegarn zu Garben gebunden und seitwärts abgelegt. Zwei kundige Helfer, Karl Huber und Rolf Kille, trugen die kleinen Gebinde an den Ackerrand, um sie dort immer zu viert zu einem Haufen für den späteren Abtransport aufzustellen. Sie werden beim Dorffest wieder zum Einsatz kommen.


 
 

Falko Hahn, Südkurier Meßkirch, 29.07.2006

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