> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 02. Februar 2005
 

Extern bevorzugt

Schulleitung in Rengetsweiler bleibt vakant

Viele Schulen im Land finden keinen Leiter, weil sich niemand für diese verantwortungsvolle Aufgabe bewirbt. In der Nachbarschaftsgrundschule Rengetsweiler hingegen bleibt die Stelle auf noch nicht absehbare Zeit vakant, weil sich zwei kompetente Kandidaten gefunden haben.

Rengetsweiler - Die Neubesetzung der Rengetsweiler Schulleiterstelle bleibt in der Schwebe. In der jüngsten Gemeinderatssitzung teilte Bürgermeister Arne Zwick zwar mit, dass die Position vom Kultusministerium jetzt wieder besetzt worden sei. Gegen die Personalentscheidung wurde aber Widerspruch eingelegt. Dies erklärte dieser Zeitung auf Anfrage der Urheber des Einspruchs. Es ist der von der Schulbehörde nicht berücksichtigte interne Bewerber, für den sich aber die Schulkonferenz und der Gemeinderat ausgesprochen hatten.

Nun muss die Kultusbehörde dessen Widerspruch stattgeben oder aber ihn zurückweisen. Da jedwede Entscheidung wiederum juristisch angefochten werden könnte, ist vollkommen unsicher, wann die seit August 2004 vakante Stelle besetzt wird.

25 Jahre lang hatte Bernd Lernhart bis zu seiner Pensionierung im Sommer 2003 die kleine Schule geleitet. Derzeit werden dort 92 Kinder von vier Klassenlehrern unterrichtet. Im August 2003 war Gerhard Napierala offiziell zum neuen Schulleiter bestellt worden. Doch seine Amtszeit blieb ein Intermezzo, denn nach wenigen Monaten verließ er die Nachbarschaftsschule wieder.

Als Napieralas Nachfolger empfahlen die Schulkonferenz und der Gemeinderat eine Lehrkraft aus dem Kollegium, Der Pädagoge leitete die Schule auch augenblicklich in Vertretung. Doch das Schulamt sprach sich 

jetzt für den zweiten Bewerber aus, eine  Lehrerin die an einer anderen Schule unterrichtet.

Diese Praxis sei grundsätzlich durchaus im Sinne des Kultusministeriums betonte gestern dessen Sprecher Elmar König: "Es ist ein Prinzip bei der Besetzung von Schulleiterposten, dass bei gleicher Qualifikation der externe Bewerber den Vorzug erhält!" So solle gewährleistet sein, dass die Schule neue Impulse erfahre.

Doch die Eltern wünschen sich vor allem personelle Kontinuität: Die Kinder der jetzigen dritten Klasse haben nach Lernhard und Napierala bereits ihren dritten Klassenlehrer. Elternsprecherin Sabine Sellien: "Wir wären sehr traurig, wenn der interne Bewerber nicht Rektor würde. Er ist ja schon seit vielen Jahren hier tätig, die Arbeit mit ihm ist sehr offen und kollegial." Doch natürlich wolle sie damit die unbestreitbare Qualifikation auch der anderen Bewerberin nicht in Frage stellen, gesteht Sellien.

Verärgert sind viele Eltern aber über die Tatsache, dass mitten im Schuljahr über die Besetzung entschieden wurde. Bereits im Februar 2004 hatte diese Zeitung berichtet, dass Napierala künftig im Ausland unterrichten werde. "Es wäre also genügend Zeit für die Neubesetzung gewesen", sagen ungenannt bleiben wollende Eltern.

Im Sigmaringer Schulamt wird betont, dass die Fachbehörde ihre Personalentscheidungen nur an objektiven Kriterien ausrichte. Ein solches Verfahren nehme selbstverständlich auch eine gewisse Zeit in Anspruch. Genau den Grundsatz der Objektivität zweifelt der nicht berücksichtigte Lehrer durch seinen Widerspruch an: "Ich mache hier seit August die Arbeit. Alle sind zufrieden. Aber ich darf es nicht werden!"


 
 

MARKUS VONBERG, Südkurier Meßkirch, 02.02.2005

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