> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 26. Juli 2005
 

Mut bringt den Menschen die Zeit zurück

Theatergemeinschaft führt Momo auf - Erstes Projekt der Grundschüler unter Regie eines Profi-Schauspielers

Rengetsweiler - Stiehl mir bitte nicht meine Zeit und fasse dich kurz, denn du weißt ja, Zeit ist Geld!" Wer hat diesen Ausspruch nicht schon gehört und sich die Frage gestellt: Kann man gestohlene Zeit wieder zurückholen? Der Autor Michael Ende schrieb dazu eine Geschichte von Zeit-Dieben und dem Kind Momo, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte.

Die Theaterarbeitsgemeinschaft der Nachbarschaftsgrundschule Rengetsweiler hatte im Oktober unter der Regie von Carlos Goeschel mit den Proben zu diesem lustigen und zugleich nachdenklichen Theaterstück "Momo" begonnen. 15 Schüler der Klassen zwei bis vier führten es nun in der Randenhalle vor großem Publikum auf und rissen die Zuschauer am Ende zu Beifallsstürmen hin. Die Geschichte der Momo, dargestellt von Nadine Möll, ist in jenem Reich der Phantasie angesiedelt, das im Nie und Nirgendwo oder einer zeitlosen Gegenwart liegt. Nicht Prinzen, Zauberer oder Feen sind die Akteure, sondern Kinder einer Großstadt, deren moderne Welt arm an Wundern und Geheimnissen ist. Außer man betrachtet sie mit den Augen Momos und ihrer Freunde.

Es sind die grauen Frauen (Dominique Berger, Mira Traber, Miriam Menzel und Catherine Friedrich), die in gespenstischer Manier immer mehr Menschen dazu bringen wollen, Zeit zu sparen. Doch je mehr sich die Menschen auf dieses Spiel einlassen, desto ärmer, hastiger und kälter wird ihre Welt und desto fremder werden sie sich selbst. Das sieht man an der Geschichtenerzählerin Annemarie (Valentina Bucher), an Sophie, der Straßenkehrerin (Annika Krall), der Maurerin und Polizistin Lisa (Carolin Löffler), der Frisörin Maren (Miriam Menzel) und der Wirtin Sarah (Jasmin Burth). Gegen diese Lieblosigkeit protestieren die Kinder Annabelle (Andrea Restle), Amelie (Katrin Penner), Michaele (Julia Kroll) und Stephanie (Laura Schieron), doch ihre Mahnungen verhallen ungehört.

Als die Welt schon nahezu fest in den Händen der grauen Frauen ist, betritt Meister Hora (Luca Traber) als Verwalter der Zeit die Szene, um gemeinsam mit dem 

Momo (links), Meister Hora, der geheimnisvolle Verwalter der Zeit, und die Schildkröte überlegen, wie sie den Menschen verlorene Zeit zurückgeben können. Bild: Kleinert

Menschenkind Momo alles wieder ins Lot zu bringen. Mit einer Blume in der Hand und der Schildkröte (Selina Becker) an ihrer Seite nimmt die kleine Heldin ganz allein den Kampf gegen die grauen Frauen auf und sorgt dafür, dass alle Lebenszeit, um die die Menschen betrogen wurden, zu ihren Eigentümern zurückkehrt. Ende gut, alles gut!

Gründer der Theaterarbeitsgemeinschaft war der frühere Rektor Gerhard Napieralla, der zurzeit Kunstschulabteilungsleiter an der deutschen Schule der Borromäerinnen in Alexandria ist. Während seiner Tätigkeit an der Grundschule Rengetsweiler hatte er Kontakt zu dem Schauspieler und Theaterpädagogen Carlos Goeschel aufgenommen, um - wie er sagt - der Schule ein künstlerisches Profil und den Kindern Gelegenheit zur Persönlichkeitsbildung zu geben. Dass gerade die Geschichte von Momo als Theaterstück zur Aufführung gelangte, ist Carlos Goeschel zu verdanken, denn er hatte die Theaterarbeitsgemeinschaft gegründet und den Kindern die Geschichte von Momo zuerst als Erzählung näher gebracht. "Für die Aufführung habe ich mich zwar an die Bühnenfassung gehalten, aber einige Szenen umgeschrieben, um die Charaktere meiner kleinen Darsteller besser in die Handlung einbinden zu können", betonte der Theaterpädagoge in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER. Er dankte allen Müttern und Vätern für ihre tatkräftige Mitarbeit, ohne die die Aufführung nie zustande gekommen wäre.


 
 

 Joachim Kleinert, Südkurier Meßkirch, 26.07.2005

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