> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 02. Juni 2005
 

Die Wildsauen sind die lachenden Dritten

Unendliche Geschichte der Vergabe der Pacht für den Jagdbezirk Rengetsweiler

Meßkirch - Vollends zur unendlichen Geschichte gerät die Vergabe der Jagdpacht für den Jagdbezirk Rengetsweiler. Wäre der Gemeinderat dem Votum des Ortschaftsrats gefolgt, hätte alles seine gute Ordnung gehabt und den Wildsauen in diesem Bezirk wär's an den Pelz gegangen. Am Dienstagabend meldete Bürgermeister Arne Zwick als letzten Trumpf, dass es bereits Wildschäden in Höhe von 1000 Euro gegeben hätte, für die die Stadt aufkommen müsse. Denn die Jagd gegen die Sauen dort - und davon gebe es einige - befindet sich momentan im Schwebezustand.

Aber diese letzte Drohgebärde fruchtete nicht, zu sehr war der Karren schon in den Dreck gefahren worden. Mit nur einer Stimme Mehrheit, die Fraktionen von CDU sowie der SPD/DAL auf der einen Seite und die Freien Wähler und Bürgermeister Arne Zwick auf der anderen, sprach sich der Gemeinderat für eine völlig neu Ausschreibung der Pachtvergabe für diesen Bezirk aus. "Wir wollen ein sauberes Verfahren, ohne G'schmäckle", hatte Gemeinderat Karl Heinz Kirchmaier (CDU) die Stimmung seiner Mitstreiter in Worte gefasst. Ob ein solches Verfahren allerdings einer rechtlichen Prüfung standhält, wird sich nach der Einschätzung von Zwick erst in rund zwei Wochen weisen - Ausgang völlig offen. Nun muss sich das Landratsamt ebenfalls erneut mit der Meßkircher Jagdposse beschäftigen.

Zunächst hatte es ja noch so ausgesehen, als ob der Bürgermeister den rettenden Hochstand gefunden hätte. Er präsentierte als Kompromissformel neue Vergaberegeln, die vor allem den Interessen einheimischer Jäger entgegenkommen. Denn genau daran scheiterte in der Sitzung des Rates vor drei 

Doch Zwick hatte mit seiner Kompromissformel keine Chance. Wohl ist er davon ausgegangen, dass sich das Thema Jagdpacht bis 2008 dadurch erledigt hätte. Die von ihm vorgestellten Vergabekriterien sollten sowieso einen längeren Bestand haben Doch Hans-Ulrich Andres (Sprecher von SPD/DAL) forderte als erster eine neue Ausschreibung. Und dann bat Lothar Bix (Sprecher der CDU) um eine Unterbrechung der Sitzung und es bahnte sich ein Umschwung an. Fünf Minuten wurden der CDU-Fraktion schließlich in einer Abstimmung gewährt. Im Treppenhaus wurde beraten,  

Der letzte Schuss ist für die Vergabe des Jagdbezirks Rengetsweiler noch nicht gesetzt, nachdem sich am Dienstagabend eine äußerst knappe Mehrheit - mit 10: 9 Stimmen - für eine völlig neue Ausschreibung des Bezirks ausgesprochen hatte. Offen blieb außerdem, ob ein solches Vorgehen rechtens ist. Die lachenden Dritten sind die Wildschweine, die wegen des momentanen Schwebezustandes relativ ungeschoren bleiben.
Bild: dpa

länger als gewährt. Danach gab's ein Palaver zwischen Bix und den Räten der Freien Wähler. Der dennoch gewährte Beistand von Reinhild Kullen und der Fraktion der Freien Wähler für Bürgermeister Zwick half nichts - die Gegenseite hatte eine entscheidende Stimme mehr. Das Halali zum Ende der Jagd wird später geblasen. Wochen die Vergabe. Bürgermeister Zwick wollte möglichst viel Geld in der eh schon klammen Kasse. Das sahen die Räte nicht so eng und beschlossen mehrheitlich eine Vergabe an eine Bietergemeinschaft eines Jäger aus Aftholderberg und eines Kollegen aus Illmensee, die nur den zweithöchsten Pachtpreis zahlen wollten. Diese hatten aber zugesichert, Jäger aus Meßkirch auch auf die Hochstände im Bezirk Rengetsweiler zu lassen. Die am meisten Pacht bietende Bietergemeinschaft zweier Jäger aus Bodman-Ludwigshafen beziehungsweise Hohenfels-Deutwang ging leer aus.

Gegen diesen Beschluss legte der Bürgermeister Widerspruch ein und nun musste in der vorgezogenen Sitzung am Dienstag nochmals darüber beraten werden. Vorgezogen werden musste die Sitzung wegen der Vorschrift, dass innerhalb von drei Wochen nach einem Veto des Bürgermeisters über das Thema erneut beraten werden muss.


 
 

 Manfred Dieterle-Jöchle,Südkurier Meßkirch, 02.06.2005

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