> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 19. Oktober 2005
 

Mit Tino in den Urwald

Zwei Grundschulklassen aus Rengetsweiler machen eine phantastische Lesereise

Rengetsweiler - Eine schon erfolgreiche Werbezeile des deutschen Buchhandels lautet: "Lesen bildet". Dies gilt auch für die Nachbarschaftsgrundschule Rengetsweiler. Die Schule verfügt über eine eigene Bücherei mit einer großen Zahl von Lesematerial. Im Rahmen des neuen Bildungsplans ist jede Schule im Land aufgefordert, sich selbst ein Schulprogramm zu geben, sagt Rektorin Regina Marten. "Andere Schulen haben sich für Sport und Spiel entschieden, wir haben uns zur Aufstellung eines schuleigenen Leseprofils entschieden."

Wie solch ein Profil auf einen, die Kinderphantasien ungemein beflügelnden Höhenweg geleitet werden kann, zeigte sich im Schulunterricht. Mit der finanziellen Unterstützung der Meßkircher Buchhandlung Schönebeck konnte die Rektorin mit dem Kinderbuchautor "Tino" einen dicken Fisch an Land ziehen.

Auf seiner Lesereise durch Schulen in Süddeutschland traf Tino in Rengetsweiler auf 49 Kinder der ersten und zweiten Klasse und schlug sie sofort in Bann. Mit "Feuerwehrgeschichten" wurden die Kinder in ihnen bekannte Gefilde entführt. Mit dem Buch "Die geheimnisvolle Zauberfeder" ging es dann nach Indien. "Kennt ihr das Dschungelbuch?" "Jaaa!", gellt ein durchdringendes Rufen durch das Klassenzimmer. Auch Tino ist in den indischen Urwald gefahren. Dort hat ihn ein Tier angefallen. "Eine Wanderameise, eine Spinne, eine Schlange", so die Rufe. Nein, ein Blutegel war's.

Plötzlich macht Tino ein bisschen den Deckel einer Kassette auf. "Was ist da drin?" Eine Spinne, eine kleine Schlange, gar ein Schatz? "Nein, es ist eine schwarz, gelb, rot und blau gezeichnete Feder. Eine aus Indien. Daraus habe ich eine Geschichte gemacht und die lese ich euch jetzt vor." Es ist die farbenreiche Geschichte des Buben Bea. Bea sitzt lesend in seinem Zimmer, aus dem Buch schaut eine Feder. Aus ihr wächst eine Kletterliane, rankt sich aus, aus ihr erwachsen neue Lianen, bald ist das Zimmer zugewachsen. Genauso wie im Buch mit dem Tiger. Ein Rascheln, ein Tier springt hervor. Ben folgt ihm, es ist ein bunter Vogel. Der fliegt zu einer verlassenen Stadt, das

Wer hat noch Ideen? Was für einen Bauch soll das Phantasietier haben? Wie ein Igel! Ungebändigt fordern die Schüler der Nachbarschaftsgrundschule Rengetsweiler den Autor Tino heraus.
Bild: Falko Hahn

Geheimnis des Buches. Hinter einem Königsthron verliert der Vogel eine Feder. Die fällt auf eine goldene Truhe. "Die nehme ich mit nach Hause." Doch wo ist der Weg dahin? Bea hat sich verlaufen. Da klingelt die Hausglocke. Ben wacht aus seinen Leseträumen auf. Gespannt lauschen die Kinder der Urwaldgeschichte.

Die Stunde des Lesens wird noch zur Zeichenstunde. Vor der genau hinhörenden Kinderschar zieht Tino mit einem Farbstift eine geschwungene Linie auf eine große Schülertafel aus Papier. "Was ist das?" "Die Nase eines Schweins!", hallt es durch die Klasse. Einen Giraffehals wünschen sich die Kinder, einen Entenbauch, aus dem Eselbein wächst eine Tulpe, eine Hand ist eine Tigerpranke mit langen Krallen. Der Rücken sieht aus wie ein Saurier, auf dem Kopf wachsen Spargeln, im Nasenloch sitzt ein Vogel mit Düsenantrieb. Die Kinder wünschen und wünschen. Alle sehen, dass die Giraffe in einer Badewanne sitzt, ein Reh ist im Toilettenhäuschen. Immer größer wird das Phantasietier, ein Wunsch hängt sich an den anderen. Tino sagt: "Das Bild schenke ich der Buchhandlung." Doch Ingeborg Karl gibt die Schenkung gleich an die Schule weiter. Doch da hält jedes Kind ein bereits vom Autor schnell hingezeichnetes Wunschbild in der Hand.


 
 

Falko Hahn, Südkurier Meßkirch, 19.10.2005

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