> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 11. Juli 2005
 

"Firmung wie ein Computerprogramm"

70 junge Christen wurden von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch gefirmt

In der Meßkircher Stadtkirche St. Martin firmte der Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitsch 70 junge Christen. Beim anschließenden Empfang im Martinssaal für die Firmlinge, ihre Eltern und Gäste aus Meßkirch bot sich die Gelegenheit zum Gespräch mit dem Erzbischof.

Meßkirch - Zu einem deutlichen Höhepunkt im Jahresablauf für die Seelsorgeeinheit Meßkirch wurde am Freitag die Firmung in der Meßkircher Pfarrkirche. Der Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitsch legte 70 Jugendlichen die Hand auf, salbte sie und segnete sie damit mit der Kraft des Heiligen Geistes. Nach dem Gottesdienst und der Sakralhandlung trafen sich der badische Oberhirte und Vertreter der Seelsorgeeinheit zum Empfang im Martinssaal.

Was ist Firmung? Der Erzbischof gab in seiner Predigt den jungen Leuten und ihren zahlreich erschienen Angehörigen eine Antwort in zeitgemäßer Sprache. Er sagte: "Die Firmung ist wie ein Computerprogramm, das Gott in euer Herz legt und das darauf wartet angeklickt zu werden." Der Heilige Geist sei das göttliche Programm in jedem Gläubigen. Dabei handelt es sich, so der Robert Zollitsch, um keine anonyme Kraftquelle. Gott habe jeden einzelnen Menschen mit Namen gerufen. Es komme darauf an, was jeder mit seinem Namen mache. Den Sinn des kirchlichen Sakraments brachte der Erzbischof so auf den Punkt: "Damit euer Leben gelingt, schenkt euch Gott den Heiligen Geist."

Die altehrwürdige Meßkircher Stadtkirche St. Martin mit ihrem reichen barocken Innenleben bot für den Firmgottesdienst einen beeindruckenden Rahmen. Das Gotteshaus war restlos von den Firmlingen und ihren Angehörigen gefüllt. Wer in die ernsten Gesichter der Firmlinge sah, merkte schnell, dass wohl bei den meisten mit der Firmung ein bewusster Glaubensakt vollzogen wurde. Die musikalische Gestaltung der Feier hatten die Mitglieder des Dekanatsjugendchors "sing out" unter der Leitung von Christoph Widmer übernommen.

Vor der Kirche versammelten sich die Firmlinge zusammen mit den Meßkircher Geistlichen zu einem Gruppenfoto. Bei dieser Gelegenheit hatten Gläubige auch die Chance zum Kontakt mit dem Oberhirten. Robert Zollitsch ging offen auf die Menschen zu. Einem kleinen Jungen freilich blieb die Antwort im Hals stecken, als der Erzbischof auf ihn zukam, ihn streichelte und fragte: "Wie heißt du?"

Der anschließende Empfang im Martinssaal stand ganz im Zeichen der Firmung, bot aber auch der zum 1. Januar 2004 gegründeten Seelsorgeeinheit Meßkirch die Gelegenheit, sich dem Freiburger Erzbischof vorstellen. Unter den geladenen Gästen befanden sich neben Firmlingen und deren Eltern Mitarbeiter aus den verschiedenen Arbeitsbereichen der 

Frischen Wind mit frischen Noten brachte der Kinderchor Dietershofen-Rengetsweiler in den Empfang der Seelsorgeeinheit Meßkirch für den Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitsch. Bild: Steinmüller

Seelsorgeeinheit, die nach Beendigung des offiziellen Teils die Gelegenheit zu Begegnung und Gedankenaustausch mit dem Erzbischof hatten.

Unter den Gästen, die zu einem kurzen Statement eingeladen waren, befand sich auch der evangelische Pfarrer Frank Heck. Er schilderte dem katholischen Oberhirten den Alltag der Ökumene in Meßkirch und erwähnte in diesem Zusammenhang den Besuch der Firmlinge bei den Konfirmanden im vergangenen Januar. Der evangelische Pfarrer bezeichnete die Ökumene als "Lerngemeinschaft". Auf diesen Gedanken ging der Erzbischof in seiner Antwort ein. Zollitsch sprach von der Notwendigkeit eines gemeinsamen Zeugnisses aller Christen gegenüber der Öffentlichkeit und sagte: "Wir dürfen die Welt nicht sich selbst oder anderen überlassen." Christen seien zur Mitgestaltung aufgerufen.

Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Arne Zwick. Er unterstrich die Bedeutung der Umsetzung christlicher Werte in den Alltag. Ulrich Wichert für den Meßkircher Pfarrgemeinderat, Wolfgang Wetzel für die Seelsorgeeinheit und Schuldekan Otmar Wetzel berichteten von ihren Alltagserfahrungen im Rahmen der kirchlichen Arbeit.

Dabei fand Wolfgang Schatz durchaus auch kritische Worte. Er beklagte, dass offenbar noch nicht alle kirchlichen Mitarbeiter des hohen Stellenwerts des Laienengagements bewusst seien. Dazu meinte der Erzbischof, die ehrenamtlichen Mitarbeiter seien für die Kirche ein "reicher Schatz". Für besondere Akzente sorgte Angelika Arzt mit ihrer Kinderflötengruppe, dem Kinderchor Dietershofen-Rengetsweiler und der Männerschola St. Martin.


 
 

 Hermann-Peter Steinmüller, Südkurier Meßkirch, 11.07.2005

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