> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 25. Januar 2005
 

Dem Vergessen entrissen

Zahlreich Kleindenkmale auch im Raum Meßkirch dokumentiert

100 denkmalgeschützte Feldkreuze und noch einmal so viele historische Grenzsteine gibt es allein auf Meßkircher Gemarkung. Zusammen mit anderen Kleindenkmalen im Kreis wurden sie jetzt in ehrenamtlicher Arbeit dokumentiert.

Meßkrich - Der Landkreis Sigmaringen ist beim Dokumentieren und Schützen von Kleindenkmalen vorbildlich. Dies erklärte Wilhelm Rößler aus Sigmaringen bei einem Vortrag vergangene Woche im Herz-Jesu-Heim. Insgesamt seien im Kreis 1726 Feldkreuze, Bildstöcke, Brunnen, Grotten, offene Kapellen oder Gedenksteine aufgespürt und für den Dankmalschutz erfasst worden.

Die jahrelange Arbeit wurde von dem früheren Gauobmann des Schwäbischen Albvereins, Rößler, koordiniert. Nach dem Abschluss der Dokumentation und der Übergabe der Ergebnisse an das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg hat das Bildungswerk Meßkirch am Donnerstag zu einem Vortrag darüber eingeladen. Trotz einer zweiten, großen Veranstaltung in Meßkirch hatte sich eine ansehnliche Zahl von Besuchern eingefunden und dokumentierte so das öffentliche Interesse an den Kleindenkmalen.

Das Land, berichtete Rößler, habe den Schwarzwaldverein, den Schwäbischen Heimatbund, die Badische Heimat und den Schwäbischen Albverein als Kooperationspartner bei der Erfassung der Kleindenkmale gewonnen. Das Landesdenkmalamt habe dazu aufgerufen, die Geschichtszeugnisse in der Kulturlandschaft aller Landkreise zu erfassen. Aus den Gemeinden des Kreis Sigmaringen hätten sich 50 Interessierte gefunden, sich ehrenamtlich an einer Dokumentation zu beteiligen. Aus Meßkirch haben Christoph Witt vom Bildungswerk, Paul Häusler und Gerhard Teuscher, als Albvereins-Vorsitzender und ehemaliger Vermesser ein Fachmann für Grenzsteine, an der Dokumentation mitgewirkt.

Durch die Ausgabe von Erfassungsbögen mit allen nötigen Merkmalen, wie Gemeinde, Gemarkung, Straße, Flur, der Art und des Zustands des Denkmals, sei eine 

Beschreibung einfach gemacht worden. Alle dem Landesdenkmal übergebenen Arbeiten  seien vorzüglich erstellt worden. Rund um Meßkirch mit seinen Ortsteilen seien mindestens 100 Feldkreuze und noch einmal so viele Grenzsteine in das Register aufgenommen worden.

Unterschieden werde bei Kleindenkmalen nach den Grundbaustoffen Holz, Schmiede-, Gusseisen und Stein. Auf dem Heuberg und im Donautal seien Holzkreuze in der Mehrzahl, im Raum Meßkirch/Sauldorf gebe es hingegen mehr Steinkreuze. Im Osten des Kreises stünden sehr viele aus Guss oder Eisen gegossene Feldkreuze. Dies, weil die frühere Eisenhütte im Lauchertal und die Hütte in Bad Schussenried, damals einen Katalog mit verschiedenen Kreuzformen angeboten hätten. Ein hohes Alter hätten die so genannten weißen Kreuze, die Hochkreuze hätten ihren Ursprung im 30-jährigen Krieg. Bei Holzkreuzen gebe es viele mit Korpus und nur wenige ohne Korpus. Beispiele dafür seien die Pestkreuze in der Meßkircher Vorstadt oder in Langenhart.

Unterschieden werde auch nach Form und Nagelung des Gekreuzigten. In der romanischen Kunst werde Christus mit einer Königskrone als ein sehr lebendiger Mensch auf einem Podest dastehend dargestellt. Erst der barocke Christus trage die Dornenkrone. Viele Kreuze trügen noch die Marterwerkzeuge, die Leiter, einen Hammer, Zange, Geisel, die Laterne des Judas, Würfel, den Essigschwamm oder den Hahn des Petrus. Andere Kreuze, wie die der Evangelisten, würden Heilige zeigen.

Zwischen 1890 und 1910 hätten sich gerade im Meßkircher Raum die Steinkreuze durchgesetzt. Mal aus Buntsandstein, mal aus Granit. Sehr viele der Kleindenkmale hätten eine Auffrischung bitter nötig. Bei den Holzkreuzen sehe es besser aus. Generationenweise würde die von den Besitzern erneuert.

Eine gute Idee fand Rößler Beiträge der Landjugend zur 72 Stunden-Aktion in den vergangenen Jahren. In Rengetsweiler, Bietingen oder in Leibertingen seien dabei viele Kreuze der Vergessenheit entrissen worden.


 
 

FALKO HAHN; Südkurier Meßkirch, 25.01.2005

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