> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 02. Dezember 2004
 

Licht in der Finsternis

Gundi Schmidt stellt Pinselzeichnungen aus

Rengetsweiler - Der Besucher der Ausstellung von Gundi Schmidt sieht in deren Haus "Ichthys" in Rengetsweiler zunächst exotische Schriftzeichen an den Wänden. Die Pinselzeichnungen stammen aus den Jahren 1989 bis 1991, blieben zunächst in einer dunklen Schublade, bevor sie 2001 wieder entdeckt und seitdem bereits in Japan und nun in Rengetsweiler in einer Ausstellung ins Licht gerückt wurden.

"Sho" ist der japanische Ausdruck für die Kunst des Schreibens - die Kalligraphie. "Sho" beschreibt einen Prozess, der "Mensch, Pinsel und Schriftzeichen zu einer Einheit werden lässt". Japanische Künstler sind meist lange auf der Suche nach dieser Einheit, ihrem persönlichen Stil des Schreibens einzelner Schriftzeichen, den "Kanjis". Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, wenn Gundi Schmidt bei einer Führung durch ihre Ausstellung offen bekennt, dass sie in keinster Weise mit der japanischen Schreibkunst vertraut war, als ihre Pinselzeichnungen entstanden.

Sie habe sich damals in einer Schaffenskrise befunden. In großem Vertrauen habe sie sich im Gebet an Gott gewandt. "Dann legte ich Papier bereit, nahm Farbe mit dem Pinsel auf, und plötzlich bewegte sich meine Hand und eine dieser Pinselzeichnungen entstand", beschreibt die Künstlerin die Entstehung der Pinselzeichnungen. Zehn Jahre später war sie als Missionarin für mehrere Monate in Japan, wo eine japanische Freundin ihre Bilder "lesen" konnte. Sie hatte Worte wie "Leben", "Licht", "Liebe" oder auch "gerecht" geschrieben. Für Gundi Schmidt ein weiteres Zeichen, dass Gott durch sie gewirkt hatte.

Das Besondere an ihrer Kalligraphie ist die Farbe, die den Bildern Leichtigkeit verleiht. Schmidt wählte helle, leuchtende Farben oder auch Gold - in Japan wird nur mit schwarzer Tusche gearbeitet. Bei einer Ausstellung in Tokyo seien die japanischen Besucher begeistert gewesen von dieser westlichen Art, fernöstliche Zeichen zu malen, berichtet die Künstlerin. Mit großer Sorgfalt wählte sie Rahmen und Hintergrund jedes einzelnen 

"Gundi-san" vor einem ihrer Schriftzeichen. Ebe/Bild: Baier

Bildes aus. Zu jedem Zeichen fand sie auch einen passenden Bibelvers.

Diese Einheit der Präsentation ist für die Künstlerin von zentraler Bedeutung: Der Prozess des Malens endet für sie nicht mit dem Trocknen der Farbe. Die Bilder bekommen einen Titel, oft sucht sie noch ein Zitat, das das Thema des Werks unterstreicht. Neben den japanischen Schriftzeichen zeigt Gundi Schmidt in ihrer Ausstellung "Licht in der Finsternis" auch Werke aus den vergangenen 20 Jahren, die die Vielseitigkeit ihres künstlerischen Schaffens präsentieren. Aquarelle, Radierungen und Bilder in Mischtechnik sind zu sehen. Ausserdem zeigt die seit zwölf Jahren in Rengetsweiler lebende Malerin den Besuchern auch frühe Linolschnitte mit Motiven ihrer Heimat Kronstadt in Rumänien. Im Jahr 1961 siedelte sie nach Deutschland über, wo sie in Nürtingen Malerei und Grafik studierte. Ellen Baier

Die Ausstellung "Licht in der Finsternis", Pinselzeichnungen von Gundi Schmidt, ist bis 9. Januar 2005 im Haus "Ichthys" der Künstlerin in Rengetsweiler, Kirchleäcker 3, zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung am Montag und von Mittwoch bis Samstag jeweils 17 bis 19 Uhr sowie nach Vereinbarung unter der Nummer 07578/2248.


 
 

Südkurier Meßkirch, 02.12.2004

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