> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 15. Oktober 2003
 

Lieder vom Leben und Guinness fürs Gemüt

Irisch-schottischer Abend mit Paddy Schmidt in Rengetsweiler - Ambiente, Musik und Getränkekarte passten zusammen

Rengetsweiler - Ihr habt gemerkt, ihr müsst für vier jubeln - aber die Party wird trotzdem geil!" Der Veranstalter der Konzertagentur vom Lions Irish Pup in Isny begrüßte die 150 Gäste beim Paddy- Schmidt-Konzert in Rengetsweiler mit der Gewissheit, dass alle ihren Spaß haben werden. Den hatten sie mit Sicherheit. Aber ein paar Leute mehr hätten der Stimmung gut getan und die Veranstaltung hätte sie auch verdient gehabt.

Es war alles da für einen perfekten Abend mit irisch-schottischer Musik. Bühnennebel und Getränke und die beiden Bands, die in die kleine Halle hineinspielten, als wären tausend Leute drin. Aus den Bierhähnen ölte das dunkle Guinness neben dem etwas leichteren Kilkenny. Wer sich vorgenommen hatte, alle Whisky-Sorten im Angebot durchzuprobieren, der hätte sich schwer getan. Neben Irish Mist, Paddy und Jamesons gab es auch Sorten wie Glenmorangie und Lagavulin, die nüchtern keiner aussprechen kann.

Die Atmosphäre war fast ein wenig familiär. Das Publikum, vom Alter rund um die vierzig angesiedelt, kannte sich untereinander. Von Jeans bis Schottenrock, kombiniert mit Motorradclub-Weste, zeigte sich die modische Vielfalt. Eröffnet wurde das Konzert von den Saulgauer Bag-Pipern. Die Vorgruppe "Blue Stone" nahm das letzte Stück der Dudelsackformation nahtlos auf und spielte Irish Folk zum Zuhören. Frontsängerin Andrea stellte den Inhalt jedes Liedes vor. Die Geschichten erzählten von Gräbern an einem Maimorgen, Walfängern an der schottischen Ostküste, Torffeuern und dem Osteraufstand 1916. Auf Instrumenten wie Akkordeon, Bodhran, Bouzouki, Geigen und Uilleann Pipe erklangen die traditionellen und ursprünglichen Melodien. Die Stimmen kamen auch ohne Instrumente aus, wie bei dem Lied über Willy Tailer, der vom Hochzeitsaltar weg zur Marine muss und seiner Frau, die ihm als Matrose verkleidet hinterher reist. Als sie ihn findet, hat er sich bereits anderweitig getröstet, worauf sie ihn erschießt und dafür noch Karriere macht. Mit einem melodiösen "Deiduddledeididdledum" sang die ganze Halle den Refrain der elf Strophen mit.

Mit dem Auftritt von Paddy Schmidt und seiner Band blieb die Musikrichtung gleich, doch der Stil wurde kommerzieller, tanzbarer

Mit Stimme, Gitarre, Mundharmonika und Bagpipes unterhielt Paddy Schmidt die Folkrock-Fans in Rengetsweiler. 
Zwe/Bild: Goldau

und mitreißender. Nach der Musik zum Zuhören kam die zum Abtanzen und bereits beim zweiten Lied - "Jonny went to the war", ein alter "Paddy Goes to Holyhead"-Hit - tobten die ersten als Solisten auf der Tanzfläche. Andere nutzten die Tanzfläche zu zweit und die meisten wippten wenigstens im Takt mit, das Glas Guinness in der Hand, das bei zwei Euro Pfand ja schlecht allein gelassen werden konnte.

Paddy Schmidt alias Harald Kligge hatte neben seinem Gesang die Gitarre, die Mundharmonika und die Bagpipes im Einsatz, erzählte von Lied-Inhalten wie einer Liebeserklärung an das Glas Guinness oder schmetterte gälische Takte, ohne sich die Zunge zu brechen. "Das wär doch was fürs Waldfest", meinten die Rengetsweiler Besucher. Sie hofften, dass Paddy Schmidt nicht das letzte Mal in Rengetsweiler war und die Freunde der Folkrock-Musik irgendwann mal wieder auf ihre Kosten kommen können - dann vielleicht auch etwas zahlreicher.


 
 

Martina Goldau, Südkurier Meßkirch, 15.10.2003

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