> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 21. Oktober 2003
 

Leben ist von phantasiereichem Denken begleitet

Carlos Goeschel erzählt Michael Endes Geschichte von "Momo" den Grundschülern von Rengetsweiler-Dietershofen

Rengetsweiler - Das Rätsel Zeit ist zur Leben erhaltenden Nahrung von graugesichtigen, Zigarre rauchenden Gaunern in spinnwebfarbenen Anzügen geworden. Damit sie weiterleben können, haben sich die grauen Aktentaschenträger bei den Gutgläubigen der Welt hinterhältig mit Zeit versorgt. Mit dem gestohlenen Gut haben sie sich zu einer Zeitmaschinenbande zusammengeschlossen, die die Menschheit bedroht. Sie leben von der Zeit der Menschen und versuchen, sie von der Notwendigkeit des Zeitsparens zu überzeugen.

Wie diese Bande eines Tages bei einem kleinen struppigen Mädchen im Amphitheater auftaucht, das erzählte Carlos Goeschel aus Dietershofen, Schauspieler und Theaterpädagoge, den Grundschülern von Rengetsweiler-Dietershofen. "Momo" ist das wohl berühmteste Literaturkind von Michael Ende. Romantische Fäden ziehend, regte der Schauspieler in seiner frei vorgetragenen Lesung die Phantasie der Kinder an, ließ sie an der Seite von Momo durch die von der Zeit ausgeraubten Stadt mitlaufen.

Gejagt wird Momo von den Gaunern, weil sie weiß, wo Meister Secundus Minutius Hora, der Herr der Zeit, wohnt. Bei ihm wollen sie auf einmal für alle Zeiten die Zeit rauben. In einer Atempause stellt der Erzähler Fragen. Was, denkt ihr, kann denn Momo? Geschichten erzählen! Nein, tanzen! Nein, dann zwei aus der vierten Klasse: "Zuhören". Richtig. Die beiden haben das Buch wohl schon gelesen.

Immer mehr Menschen kommen nach der Arbeit in das Amphitheater. Leute, die streiten, werden freundlich. Unbedeutende haben das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Da ist gut, dass Momo von Meister Secundus Minutius Hora, dem Herrn der Zeit, die hilfsbereite Schildkröte Kassiopeia als Freund zur Seite gestellt bekommt.

Die verrinnende Zeit ist das Blut, das die Aktentaschenträger am Leben erhält wie

Durch die schauspielerischen Qualitäten des Theaterpädagogen Carlos Goeschel wurden die Schulkinder von Rengetsweiler- Dietershofen beim Fredericktag in Lesebann geschlagen. 
Fah/Bild: Hahn

der Rauch der Zigarre. Die verplempern die Zeit und verpesten die Luft. Dabei haben sie versprochen, dass sie die abgeluchste Zeit am Ende des Lebens wieder zurückgeben.

Gebannt folgten die Schulkinder Momo Schritt für Schritt auf ihrem gefährlichen Weg, sehen, wie Momos Freunde keine Zeit mehr haben. Es ist eine spannende Verfolgungsjagd, ein Kampf um die gesamten Zeitvorräte der Menschen. Dank der auf Kassiopeias Panzer bei Gefahr aufblinkenden Schrifttafel gelingt die Suche nach einer Lösung. Meister Hora hat den Schlüssel zum Ursprung der Zeit in der Hand. Die Grauen lösen sich mit dem Stillstand der Zeit und dem ausgehenden Rauch ihrer Zigarren in Luft auf. Momo hat die gestohlene Zeit zurückgebracht.

Glücklich klatschen die 106 Kinder am Ende der spannenden Stunde Beifall. Der Theaterspieler ist am Ziel angekommen. Er wollte den Kindern zeigen, dass das Leben vom phantasiereichen Denken begleitet wird. Hoffentlich nehmen sie gleich ein Buch in die Hand und lesen und lesen. Nach dem glücklichen Ausgang der Geschichte meinte Schulleiter Gerhard Napierala, sie passe genau zum Jahresthema "Lesen".


 
 

Falko Hahn, Südkurier Meßkirch, 21.10.2003

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