> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 25. August 2003
 

Herrschaft wechselte

Zur Geschichte von Buffenhofen (Teil 2) - Truchseß Berthold

Buffenhofen - Buffenhofen verdankt seine Ersterwähnung im Jahre 1253 einer Schenkungsurkunde des Truchsessen Berthold von Rohrdorf. Wer war nun dieser Truchseß Berthold, der in Buffenhofen eine offenbar dominierende Stellung als Grund- und Lehensherr besessen hatte?

Berthold entstammte dem oberschwäbischen Reichsministerialengeschlecht der Truchsessen von Waldburg. Sein Vater Friedrich hatte 1228 die Herrschaft Rohrdorf/Meßkirch von den Grafen von Neifen gekauft und hier auf der Burg Benzenberg bei Rohrdorf , eine Seitenlinie seines Geschlechts begründet. Truchseß Berthold spielt in der Meßkircher Geschichte eine ganz besondere Rolle, denn unter seiner Regierungszeit muss um die Mitte des 13. Jahrhunderts die Stadterhebung Meßkirchs vollzogen worden sein.

Der Bischof von Konstanz, Eberhard von Waldburg, war übrigens nicht nur Bertholds Onkel, sondern überdies der Inhaber der Pfarrei Meßkirch, zu der damals auch Buffenhofen gehörte. Berthold war ein Förderer der Klöster, neben Wald kamen auch die Klöster Baindt, Weingarten und Beuron in den Genuss von Schenkungen und Zuwendungen. Vor allem aber die noch junge Zisterzienserinnenabtei Wald erfreute sich seiner besonderen Gunst: Neben Buffenhofen erhielt das Kloster in den folgenden Jahren vom Truchsessen Höfe in Menningen, Inzigkofen, Jettkofen, Iznang sowie den Zehnten in Thalheim. Vermutlich war die Walder Klosterfrau und spätere Äbtissin Ida von Rohrdorf eine Schwester des Truchsessen Berthold, was dessen Großzügigkeit gegenüber der Abtei erklären könnte. Die Buffenhofer Schenkung des Jahres 1253 könnte die Mitgift für den Klostereintritt Idas gewesen sein.

1275 schenkte Heinrich von Neifen dem Kloster Wald den Zehnten - also gewissermaßen die kirchensteuerlichen Einkünfte - in Rohrdorf und Buffenhofen. Die Grafen von Neifen, die einstigen Besitzer der Herrschaft Rohrdorf/Meßkirch, verfügten auch nach dem Verkauf der Herrschaft an die Truchsessen von Waldburg 1228 noch lange über verschiedene Besitzungen und Rechtstitel im Meßkircher Raum. Mit der Schenkung des Jahres 1275 dürfte Kloster Wald wohl im Besitz aller Güter und Einkünfte in Buffenhofen gewesen sein.

Der kleine Ort, der zum ursprünglichen Bestand der Herrschaft Rohrdorf/Meßkirch gehört hatte, wechselte damit seine Herrschaftszugehörigkeit und unterstand künftig der im 13. und 14. Jahrhundert sich ausbildenden, neuen Klosterherrschaft Wald.

Neben Buffenhofen gingen während der Zeit der Truchsessen von Rohrdorf noch weitere Orte - teils durch Verkäufe, teils durch Schenkungen an das Kloster Wald - der Herrschaft Rohrdorf/Meßkirch verloren: Wenige Jahrzehnte später folgten Dietershofen, Igelswies, Rengetsweiler und Ringgenbach.

Nicht unwesentlich auf Kosten des Meßkircher Herrschaftsgebiets gelang dem Kloster Wald in der Folgezeit der Auf- und Ausbau eines arrondierten grundherrschaftlichen Territoriums zwischen Ablach und Andelsbach. Seit 1474 befinden sich Ortsherrschaft und Niedergericht in Buffenhofen nachweislich im Besitz des Klosters Wald, doch dürfte der tatsächliche Herrschaftswechsel bereits im 13. Jahrhundert mit dem Erwerb des Grundbesitzes stattgefunden haben.

Das Walder Kloster hatte seit seiner Gründung 1212 planmäßig darauf hin gearbeitet, in allen benachbarten Orten Güter und Rechte möglichst vollständig zu erwerben und andere Grundbesitzer aus ihnen zu verdrängen. Durch Schenkungen, Käufe und Tauschaktionen war es der Abtei in relativ kurzer Zeit gelungen, einen geschlossenen Güterkomplex in unmittelbarer Nähe rund um Wald aufzubauen, in dem das Kloster mit der Grund-, Niedergerichts- und Ortsherrschaft nahezu alle obrigkeitlichen Funktionen mit Ausnahme der Hoch- und Blutgerichtsbarkeit ausübte, die von den Grafen von Sigmaringen als Schutzvögten des Klosters beansprucht wurde.

Von nun an also unterstand Buffenhofen den Amtsleuten in Wald beziehungsweise der Walder Äbtissin. Zusammen mit Ringgenbach, Igelswies und Dietershofen war Buffenhofen zu einem waldischen Gerichts- oder Gemeindebezirk vereint, wobei der Gerichtssitz zwischen Igelswies, Ringgenbach und Dietershofen wechselte. Seit 1669 war diese ursprünglich das ganze "Täle" umfassende Gerichtsgemeinde, in zwei eigenständige Bezirke Ringgenbach (mit Igelswies) und Dietershofen geteilt, Buffenhofen wurde fortan der Gemeinde Dietershofen zugerechnet.


 
 

Dr. Armin Heim, Südkurier Meßkirch, 25.08.2003

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