> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 14. August 2003
 

Ergebnis der ersten Welle des mittelalterlichen Landesausbaus

Ein Mann namens Buffo dürfte den Ort im siebten oder achten Jahrhundert gegründet haben - Älter als erste urkundliche Erwähnung

Buffenhofen - Buffenhofen, der kleinste unter den Meßkircher Ortsteilen, hat Anfang Juli sein 750-jähriges Ortsjubiläum gefeiert. Erstmals ins Licht der Geschichte getreten ist die Siedlung im Jahr 1253 anlässlich einer Schenkung des Truchsessen Berthold von Rohrdorf an das Zisterzienserinnenkloster Wald. Die damals angefertigte Urkunde besagt, dass Truchsess Berthold der Abtei die Mühle sowie Wiesen in Buffenhofen übereignet hat. Die Urkunde verrät allerdings nichts über das tatsächliche Alter des Ortes, ebenso wenig erfährt man über seine Größe, seinen Charakter, seine herrschaftsrechtliche Zugehörigkeit. Dies alles lässt sich nur erahnen oder aus späteren Nachrichten erschließen.

Zunächst zur Frage des Alters der Siedlung: Hier ist es der Ortsname selbst, der einen Hinweis gibt. Wie alle Orte mit der Namensendung "hofen", so dürfte auch Buffenhofen während der ersten Welle des mittelalterlichen Landesausbaus, also wohl im siebten oder achten Jahrhundert, entstanden sein. Gerade hier, in den Täle-Orten, lässt sich die Siedlungsbewegung recht gut nachvollziehen: Die Altsiedelorte, die bereits während der alemannischen Landnahme, also im fünften und sechsten Jahrhundert gegründet worden waren und deren Namen auf "ingen" enden, findet man an den siedlungstopographisch günstigsten Stellen entlang des Ablachtals: Göggingen, Menningen, Schnerkingen, Bichtlingen.

Nach einigen Generationen war die Bevölkerung in diesen Altsiedelorten so weit angewachsen, dass die zur Landwirtschaft geeigneten Flächen knapp wurden. Bevor man zur Teilung und Verkleinerung der bestehenden Höfe überging, versuchte man - wo immer dies Erfolg versprechend erschien - lieber durch Rodung der umliegenden Waldgebiete neuen Siedlungsraum zu gewinnen. So entstanden in unmittelbarer Nachbarschaft fast jedes Altsiedelortes Ausbausiedlungen, deren Ortsnamen auf "stetten" oder "hofen" enden und meist - wie auch schon die Namen der alten Dörfer - den Ortsgründer nennen. Zwischen Menningen und Göggingen bot ein Seitental der Ablach offenbar besonders günstige Siedlungsvoraussetzungen, dass hier gleich eine ganze Kette von neuen Siedlungen entstehen konnte: Leitishofen, Kogenhofen (das spätere Ringgenbach), Buffenhofen und Dietershofen.

Wiederum einige Generationen später sollte es, ausgehend von diesen Ausbauorten, zu einer zweiten Welle von tief ins Waldland vorgetriebenen Ortsgründungen kommen. So entstanden im achten und neunten Jahrhundert an den weniger günstigen Siedlungsplätzen die Weilerorte beziehungsweise ausgehend vom Täle die Siedlungen Rengetsweiler, Walbertsweiler oder das später wieder abgegangene Wanhartsweiler. Buffenhofen ist also älter als die Weilerorte. Der Ort dürfte bereits im siebten oder achten Jahrhundert von einem Mann namens Buffo gegründet worden sein. Die Ortschaft wird vermutlich nur aus einem Hof oder zwei Höfen bestanden haben. Ob zur Zeit der urkundlichen Ersterwähnung 1253 Buffenhofen mehr als die genannte Mühle umfasst hat, ist ungewiss.

Nur wenige Jahre später, 1257, ist in einer anderen Urkunde von der "villa" Buffenhofen die Rede. Die Bezeichnung "villa" deutet zwar auf eine Einzelhofsiedlung, doch hört man in dieser zweiten Urkunde von einem weiteren Grundbesitzer; der Grundbesitz in Buffenhofen war demnach auf mindestens zwei Hände verteilt, was wiederum das Vorhandensein von zwei Anwesen wahrscheinlich macht.

In dieser zweiten Urkunde verspricht ein Ritter Konrad von Rohrdorf - vermutlich ein Dienstmann des oben erwähnten Truchsessen Berthold - dem Konstanzer Bischof, dass er alle seine Güter zu Buffenhofen dem Truchsessen Berthold für das Kloster Wald übertragen wolle. Die Hintergründe dieses Versprechens bleiben im Dunkeln. Wahrscheinlich trug Ritter Konrad diese Güter in Buffenhofen von Truchsess Berthold zu Lehen, so dass er sie nicht selber direkt dem Kloster schenken konnte. Vielleicht hatte Truchsess Berthold auf seinen Diener sanften Druck ausgeübt, um noch einmal gegenüber dem Kloster als Wohltäter auftreten zu können, ohne hierfür erneut seinen Eigenbesitz schmälern zu müssen?


 
 

Dr. Armin Heim, Südkurier Meßkirch, 14.08.2003

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