> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 06. März 2003
 

Der Weg als Gebet

Imker Bienefeld begann gestern seinen Fastenmarsch gegen den Irak-Krieg

Meßkirch - Seit gestern befindet sich Rainer Bienefeld auf seinem Fsastenmarsch nach Berlin. Als er sich um 9 Uhr auf den 1500 Kilometer langen Weg machte, wusste er noch nicht, wo am Ende des ersten Etappentages in Riedlingen er nächtigen werde.

Der Rengetsweiler Imkermeister Rainer Bienefeld hat gestern seinen Fastenmarsch nach Berlin begonnen. Bis Ostersonntag will er auf seinem 1500 Kilometert langen Weg in die Bundeshauptstadt keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen und dennoch jeden Tag zwischen 30 und 40 Kilometern zurücklegen. Das ungewöhnliche Vorhaben hat bereits eine gewisse Resonanz in den Medien gefunden. So berichtete beispielsweise der Südwestrundfunk über Bienefelds Aktion.

Im Dezember hat sich der Imkermeister und Bienenzüchter den Fastenmarsch nach Berlin vorgenommen. Wie er gestern sagte, sei ihm der geplante Termin des 5. März fast zum Verhängnis geworden, denn er stecke mitten im Umzug von Rengetsweiler nach Wald. Am Freitag habe seine Frau Sylvia mit dem Auto zudem noch einen Unfall gebaut.

Der Bioladen in Wald, wie die Erziehung der vier Kinder hänge jetzt allein an seiner Frau Sybille. Sie habe ihn dennoch immer bestärkt, den Fastenmarsch tatsächlich durchzuführen. Sylvia Bienefeld und die Kinder verabschiedeten den Fastenmarschierer gestern um 9 Uhr an der Meßkircher Stadthalle. Riedlingen war sein erstes Etappenziel, dort hoffte er am Abend irgendwo Unterschlupf zu finden. Ein Hotel oder ein Pension könne er sich auf jeden Fall nicht leisten. Begleitet wurde Binefeld auf dieser ersten Etappe nur von seinem Hund.

88 kirchliche Institutionen an seiner Route hat Bienefeld angeschrieben, nur vier hätten geantwortet, berichtet er. Die Ernte auf seine Anfrage um Unterstützung sei totales Misstrauen gegenüber seinem Vorhaben gewesen, gibt Bienefeld an. Er sei teilweise als religiöser Fanatiker, Spinner oder nebulöser Irrealer bezeichnet worden.

Was bezweckt der drahtige 78 Kilo wiegende Mann mit seiner Aktion? Den Fastenmarsch sieht er als eine Form des Betens an - des Betens für den Frieden in der ganzen Welt. Gewalt und Kriege seien keine Lösung für Konflikte, das hat er sich auf sein Flugblatt geschrieben. Dies gelte auch für den Irak. "Hier gehe ich und kann nicht anders", könnte man Bienefelds Haltung in Abwandlung eines Lutherworts bezeichnen.

Aber der Fastenmarschierer hat auch positive Rückmeldungen. Von Weimar bis Erfurt wollen ihn Aktivisten der dortigen

Nach den ersten drei Kilometern füllt Rainer Bienefeld an der Igelswieser Quelle seine Wasserflasche auf. Auf seinem 1500 Kilometer langem Weg von Meßkirch nach Berlin will er sich nur von Wasser, Tee und etwas Säften ernähren.
von/Bild: B. Hermann

Friedensbewegung auf seinem Marsch begleiten, für Freitag und Samstag haben sich etliche Pfullendorfer für die Etappe von Ehingen über Blaubeuren nach Heidenheim angemeldet. Und in Berlin selbst ist bereits ein großer Bahnhof von Fernseh- und Rundfunkreportern geplant. Ab Gorleben an der Unterelbe bis in die Bundeshauptstadt will ihn seine Ehefrau Sybille mit den vier Kindern Julia, Patrick, Florian und Frederick durch ihre Anwesenheit unterstützen. Neben der Fsamilie hatte sich gestern Vormittag auch ein Meßkircher Ehepaar an der Stadthalle eingefunden, um den Wanderer zu verabschieden. Es verprach, ihn auf der Etappe ab Ehingen zu begleiten.

Wie hat sich Bienefeld für sein großes Unternehmen vorbereitet? Seit drei Wochen ist er jeden Tag acht Kilometer gewandert - allerdings ohne Gepäck. Als passionierter Fahrradfahrer sieht er dem Umstieg auf Schusters Rappen gelassen entgegen. Ein Zelt hat er keines dabei, schon jetzt wiegt der Rucksack über 20 Kilogramm. Bienefeld benutzt zur Orientierung eine im groben Maßstab gehaltene Straßenkarte, als Verpflegung hat er nur Kräutertee und Wasser im Gepäck.

"Sponsoren hatten kein Interesse an der Aktion, ich musste alle Vorbereitungen und Ausrüstungen selbst bezahlen", meint der Imker. Vor zwei Jahren habe er eine lebensbedrohliche Erkrankung mit Hilfe des Fastens in den Griff bekommen, erklärt er.

Eine Solidaritätsliste für den Fastenmarschierer liegt im Bioladen Wald aus.


 
 

Bernd Hermann, Südkurier Meßkirch, 06.03.2003

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