> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 15. Mai 2003
 

Einmal Waldfest - schon gewonnen

Fastenmarschierer Rainer Bienefeld ist zurück

Rengetsweiler - Ich kenne mich hier noch gar nicht richtig aus", entschuldigt sich Rainer Bienefeld als er dem Gast Mineralwasser einschenkt. Ich der Küche hat er zuerst ein bisschen nach der grünen Flasche suchen müssen. Am Dienstag erst ist der Rengetsweiler Imker in seiner neuen Wohnung in Wald angekommen. Nach seinem persönlichen Protest gegen den Krieg im Irak: 800 Kilometer Fußmarsch quer durch Deutschland, vier Wochen Verzicht auf feste Nahrung, braungebrannt und 12 Kilogramm leichter. Fastenmarschierer Rainer Bienefeld ist zurück.

Auf dem Wohnzimmertisch liegt eine große Deutschlandkarte mit dem Maßstab 1 : 700000. Mit Bleistift ist eine dünne Linie eingezeichnet. Über 40 kleine Kreise markieren die Etappenziele des Marsches, den Bienefeld am Aschermittwoch an der Meßkircher Stadthalle begann. Nach 1500 Kilometern und 48 Tagen wollte der Imkermeister am Ostersonntag das Brandenburger Tor durchschreiten und dann an einer großen Demonstration gegen einen Krieg im Irak teilnehmen.

Der 37-Jährige stand zwar vor dem Brandenburger Tor. Doch der Irak-Krieg war da nicht nur schon ausgebrochen sondern in seiner heißen Phase schon wieder vorbei. Haben die Ereignisse den Fastenmarschierer überholt?

"Es war eine intensive Erfahrung", berichtet Bienefeld. "Mir ist bewusst geworden, dass der Frieden ganz woanders anfängt. Es geht nicht um Bush sondern um unser eigenes Bewusstsein." Im fränkischen Ludwigsstadt kurz vor der ehemaligen Zonengrenze hatte er vom Ausbruch der Kampfhandlungen erfahren. "Viele meinten zu mir, dass ich jetzt ja nach Hause gehen kann. Ich aber habe mir gedacht: ,Jetzt erst recht!" Und so marschierte Bienefeld gemeinsam mit seinem Hund Lucky weiter.

Nirgendwo habe er auch nur eine einzige negative Reaktion auf seine Aktion erfahren, berichtet der vierfache Familienvater. Gleichgültigkeit sei ihm ebenso wiederfahren wie Unterstützung.

Gleich die erste Nacht verbrachte der Fastenmarschierer im Freien und wachte unter dem Dach einer Grillhütte in einem vereisten Biwaksack auf. In Kronach schlief er in einem Blumenladen, in Rudolstadt in einem kirchlichen Jugendhaus, im Wendland in einem Bauwagen, bei Salzwedel in einer Klosterzelle.

Wieder daheim: Fastenmarschierer Rainer Bienefeld mit Tochter Julia und Hund Lucky vor dem Eingang zu seinem Ökoladen in Wald.
von/Bild: Vonberg

Bis Erfurt hat sich Bienefeld an die Linie auf seiner Deutschlandkarte gehalten. Danach kam der schlimmste Tag seiner Tour. Eben noch hatten ihn in der thüringischen Landeshauptstadt seine Familie und Friedensaktivisten auf einer Etappe begleitet. Nun stand er abends allein in Nordhausen am Bahnhof. "Da kamen die Tippelbrüder und fragten, ob ich auch ein Feldmarschall sei." Bienefeld wandte sich an ein Pfarrhaus, dort bekam er zehn Euro in die Hand gedrückt. Für den Zug nach Uelzen. Bienefeld fuhr und unterbrach danach seine Marschstrecken immer wieder einmal, wurde mit dem Auto mitgenommen oder stieg in einen Bus. Die Strapazen des Marsches, die 20 Kilogramm seines Rucksacks und der klirrende Ostwind ließen ihn nun auch immer wieder nach fester Nahrung verlangen. Bienefeld: "Mir war von vornherein klar, dass meine Gesundheit auf jeden Fall vor geht!" Zu Fuß erreichte der Fastenmarschierer vor wenigen Tagen Potsdam. Dort traf er sich mit seiner Familie und fuhr dann gemeinsam mit ihr nach Berlin und kehrte am Dienstag nach Hause zurück.

Beeindruckt haben Bienefeld die vielen bunten Fahnen mit dem Aufdruck "Pace", dem italienischen Wort für "Frieden", die er überall sah. Für seinen Walder Ökoladen hat er gleich eine Sammelbestellung dafür aufgegeben: "Die möchte ich hier auch überall flattern sehen!


 
 

Markus Vonberg, Südkurier Meßkirch, 15.05.2003

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