> Pressespiegel > Bericht: Südkurier 30. Januar 2002
 

Imker soll woanders bauen

Empfehlung des Petitionsausschusses

Stuttgart/Dietershofen - Das umstrittene Imkereizentrum darf nicht im Dietershofer Gewann Brunnadern errichtet werden. Diese Beschlussempfehlung gab bereits Anfang Dezember der Petitionsausschuss dem Baden- Württembergischen Landtag. Weil der Bauherr allerdings einen positiven Bauvorbescheid erhalten hatte, bleibt es ihm anheim gestellt, eine Rückerstattung eventuell entstandener Planungsschäden geltend zu machen.

Dem Landtagsausschuss hatten zwei Petitionen in dieser Sache vorgelegen: Eine des Bauherren Rainer Bienefeld, der auf eine Verwirklichung seines seit 1999 anhängigen Vorhabens drängt eine andere von Karl-Heinz Broda, der jegliches Bauvorhaben im Gewann Brunnadern ablehnt. Der Ausschuss kommt zu dem Schluss, dass "zumindest derzeit" der Petition Brodas entsprochen wird.

Bienefeld wird auf den positiven Bauvorbescheid verwiesen, den ihm das Landratsamt Sigmaringen im Juli 2000 erteilt hatte. Zu dieser Zeit hatte der Imker noch geplant, das Zentrum in der Senke des Grundstückes zwischen Buffenhofen und Rengetsweiler zu bauen. Er musste dann aber mit einer kleineren Grundstücksfläche die Planungen für das Baugesuch einreichen, da der geplante Kauf eines Teilstückes kurzfristig nicht zustande gekommen war.

Es bot sich durch diese neue Ausgangslage an, die Gebäude etwa 100 Meter weiter östlich zu bauen. Diese Standortabweichung war mit der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes abgesprochen und dort für akzeptabel befunden worden.

Doch nicht nur diese räumliche Verschiebung des Bauvorhabens stößt den Mitgliedern des Petitionsausschusses auf. Sie monieren hauptsächlich die Größe des geplanten Imkereizentrums. Während Bienefeld eine Nutzfläche von 800 Quadratmeter kalkulierte, sind sie der Meinung, dass die Hälfte reichen sollte. Der Bienenzuchtberater des Regierungspräsidiums erstellte ein entsprechendes Gutachten.

Bienefeld dagegen argumentiert, dass er inzwischen mit Beratern anderer Regionen Kontakt aufgenommen hat, die ihm bescheinigen, dass die geplante Größe durchaus angemessen ist. Doch weder im Landratsamt noch beim Landtag sind die Entscheidungsträger bisher an externen Gutachten dieser Art interessiert.

Landschaftspflege mit Stumpf und Stiel: Heckenrückschnitt im Gewann Brunnadern in Buffenhofen
ebe/Bild: Baier

Hatte der Vertreter des Landratsamtes, Rolf Vögtle beim Ortstermin am 30. November noch erklärt, Landwirte, also auch Imker, seien privilegierte Bauherren, sehen die Mitglieder des Petitionsausschusses nun "öffentliche Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege" dem Bauvorhaben entgegenstehen. Auf einmal räumen auch die Naturschutzbehörden des Landratsamtes Bedenken ein, pauschal gegen beide Standorte. Einlenkend weist der Petitionsausschuss schließlich darauf hin, dass die Stadt Meßkirch wie auch das Landratsamt Sigmaringen Bienefeld behilflich sein sollen bei der Suche nach einem "neuen, geeigneten Standort".

Einen solchen Deal war der Imker jedoch schon vor zwei Jahren mit der Stadt Meßkirch eingegangen, nachdem der positive Bauvorbescheid für den Ortsrand von Rengetsweiler einvernehmlich zurückgezogen worden war. Damals hatte er daraufhin das Grundstück im Gewann Brunnadern gekauft. Im Kaufvertrag ist schriftlich eine Baupflicht innerhalb der nächsten zwei Jahre festgehalten.

Bienefeld ist heute entschlossen, das Spiel mit seinem Bauantrag, auf rechtlichem Wege zu beenden. "Durch die zeitliche Verzögerung seit der ersten Bauvoranfrage 1999 sind mir erhebliche Kosten entstanden. Ich möchte und kann nicht noch einmal von vorn anfangen", unterstreicht er.

Wie es um die Landschaftspflege und den Naturschutz in den Brunnadern steht, ist unterhalb des in Frage gestellten Bauplatzes an einer Wildhecke demonstriert worden: Die Hecke war rigeros zurückgeschnitten worden, um die Befahrbarkeit des Weges zu gewährleisten. Die Bäume wurden in einer Höhe von mehreren Metern gestutzt, die Äste einfach abgesäbelt. Statt sauberer Schnitte sind halb abgefetzte Aststümpfe zu sehen. Wird bei diesem Vorgehen mit anderen Maßstäben gemessen?


 
 

Ellen Baier und Markus Vonberg, Südkurier Meßkirch, 30.01.2002

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