> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 03. Dezember 2001
 

Wieviel ist eine schriftliche Zusage wert?

Petitionsausschuss tagte in Meßkirch über den Bau eines Imkereizentrums in Buffenhofen

Meßkirch/Dietershofen (ebe) Im klassischen Drama wissen die Zuschauer, dass im fünften Akt die Auflösung der Problematik dargestellt werden wird, was zugleich das Ende der Vorstellung bedeutet. Im Meßkirch-Dietershofener Stück "lmker sucht Bauplatz für seine Imkerei" dagegen ist eine Auflösung des Disputes um den Standort des Imkereizentrums von Rainer Bienefeld noch sehr weit entfernt - sofern es denn eine Lösung gibt, die wenigstens einen der Beteiligten zufrieden stellt. So kam es nun zu einem Ortstermin des Petitionsausschusses des Landtages auf dem vermeintlichen Bauplatz auf dem Gewann "Brunnadern" bei Buffenhofen.

Die Mitglieder des Ausschusses, die Kontrahenten Rainer Bienefeld, der Imker, und Karl-Heinz Broda, der Naturschützer, und einige interessierte Bürger müssen über einen aufgeweichten Acker stapfen, um zum Gelände des Anstosses zu gelangen. Unterhalb dieses Brachlandes ist eine landwirtschaftlich genutzte Wiese zu sehen - wie man sich eben eine "schutzgebietswürdige Landschaft" vorstellt.

Bedenken angemeldet

Denn als solche bezeichnete Dr. Kratsch vom Ministerium für den ländlichen Raum das Tal und meldete sehr große Bedenken an, hier ein Imkereizentrum entstehen zu lassen. "Fast jeder Standort ist besser als dieser", war seine abschließende Meinung. Auch der Vertreter des Regierungspräsidiums, Helmuth Wälder, stieß ins gleiche Horn. Er sprach gar von einem "Missgriff", in diesem Gebiet eine Bauvoranfrage zu genehmigen. Beide pochten darauf, rechtlich zu prüfen, ob der positive Bauvorbescheid gültig sei, wenn das Bauvorhaben an einem anderem Standort, das heißt, um etwa 100 m verschoben, realisiert werden soll.

Diesen Vorwurf konnte der stellvertretende Landrat Rolf Vögtle nicht auf sich und seiner Behörde sitzen lassen. Er wies darauf hin; dass Bienefeld als Imker zu den Landwirten zähle und somit als privilegierter Bauherr gelte. Dieses Privileg hat nach Vögtle Priorität, die Einsprüche müssen sehr schwerwiegend sein, um es aufheben zu können. Er sprach von einer "Genehmigung mit Bauchweh", die auch die lange Odyssee Bienefelds berücksichtigte.

Dass er dieser Irrfahrt so schnell wie möglich zu einem Ende verhelfen wolle, machte der Leiter des Petitionsausschusses in Meßkirch, Ernst Behringer, schon zu Beginn der Sitzung klar: "Es ist ja langsam Zeit, dass wir zu einer Entscheidung kommen!"

Bis zum kommenden Mittwoch wollen die anwesenden Mitglieder schon eine Empfehlung an ihre Kollegen in Stuttgart vorbereiten, so dass bei einer Entscheidung im Ausschuss das Ergebnis dem Landtag zur letzten Plenarsitzung am 19. Dezember mitgeteilt werden kann.

Die Mitglieder des Petitionsausschusses machten sich vor Ort ein Bild vom vermeintlichen Standort des Imkereizentrums: Gustav-Adolf, Ernst Behringer und Rolf Vögtle.
Bild: Ellen Baier

Den Hauptakteuren Bienefeld und Broda dürfte dieses zügige Tempo recht sein. Broda, der seine Ausführungen dem Ausschuss mit einem Zitat des Buffenhofener Dichters Anton Gabele einleteitete, in dem dieser die Einzigartigkeit des Wiesentales preist und der Lerche lauscht. Er wehrt sich dagegen, dass das "Lieblingstal des Dichters" durch eine Bebauung zerstört wird. Er sieht außerdem die gerade in den Brunnadern besonders artenreiche Natur in Gefahr.

Der Imker Bienefeld monierte, dass es von der Buffenhofener Bevölkerung keine Einwände zur Bauvoranfrage gegeben habe, erst jedoch zum Baugesuch. Er wähnte sich auf der sicheren Seite, als er die Verschiebung des 
Standortes, aus der Senke aufs Plateau, mit der Naturschutzbehörde in Sigmaringen absprach.

Falls er nun tatsächlich eine Baugenehmigung erhält, müsste er wahrscheinlich doch wieder in die Senke zurück: Neue Planung, neue Kosten, die sich seit der zurückgenommenen Baugenehmigung in Rengetsweiler im Sommer 1999 auf eine beträchtliche Summe belaufen.

Beträchtliche Geldsumme

Und selbst wenn er bauen dürfte, müsste Bienefeld sein Vorhaben enorm verkleinern, denn ein behördlicher Sachverständiger für Imkerei sah 400 qm für das Zentrum als völlig ausreichend an - ein gravierender Unterschied zu 700 qm in der Planung.

Während Broda betonte, dass es keine Gegnerschaft Broda/Bienefeld oder Dietershofen/Bienefeld gebe, fahren einige anonyme, Mitstreiter andere Geschütze auf:  Zum Ortstermin begrüßte ein Galgen mit Strick und schwarzem Tuch den Petitionsausschuss.

Ihre Botschaft hatten die Unbekannten in der Mitte des herzförmigen Lindenblattes aufgestellt, das der Imker mit Kindern gepflanzt hatte. 


 
 

Ellen Baier, Südkurier Meßkirch, 03.12.2001

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